Die Bäder
Die Bäder spielen in der Kneipp- Therapie eine bedeutende Rolle. Sie werden als kalte, warme und Wechselbäder verabreicht. Heute werden vorwiegend Teilbäder verordnet, während die Vollbäder kaum noch Anwendung finden. Kalte Bäder werden mit einer Temperatur von ca. 15 -18 Grad abgegeben, wobei aber immer auf die jeweilige Situation des betreffenden Patienten Rücksicht zu nehmen ist. Die Voraussetzung für ein kaltes Bad ist ein warmer Körper oder Körperteil. Nach dem Bad wird nicht abgetrocknet sondern für eine möglichst schnelle Erwärmung gesorgt, wobei, nachdem meist nur Teilbäder in Frage kommen, die Erwärmung durch Bewegung im Vordergrund steht.
Bei den warmen Bädern wird eine Temperatur von 37 - 39 Grad bevorzugt, nur bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises erhöht man die Temperatur, soweit es die Herz- und Kreislaufverhältnisse zulassen. Die Dauer beträgt meist 10 Minuten. Nach dem Bad folgt eine kalte oder temperierte Abwaschung oder ein Abguß. Anschließende Bettruhe von ca. 1 Stunde ist unbedingt einzuhalten. Die Wechselbäder werden vornehmlich als Wechselarm- bzw. Wechselfußbäder, gelegentlich auch als Wechselsitzbäder, verordnet. (Vorsicht bei Krampfadern!) Man beginnt mit warm - T emperatur 37/39 Grad - 3-5 Minuten, anschließend kurz kalt (Reaktion beachten), dann wechselt man zurück ins warme Wasser wieder für 3-5 Minuten, und den Schluß bildet der kurze kalte Reiz. Hinterher wird nicht abgetrocknet, Wasser abstreifen und für gute Wiedererwärmung sorgen. Bei größeren Bädern ist Bettruhe notwendig.
Das Sitzbad (Szb)
Wenn eine entsprechende Indikation besteht, dann sollte man sich auch für den Haushalt eine Sitzbadewanne zulegen. Es gibt heute schon leichte transportable Wannen. Es handelt sich um eine warme Anwendung, Temperatur 37/39 Grad, Badedauer 10 Minuten. Die Füße werden während des Bades auf ein Bänkchen, Fußschemel o. ä. gelagert. Der Patient ist während des Bades gut einzupacken, auch die Füße und Beine, die immer warm sein sollten. Badezusätze begünstigen noch die Wirkung dieses
Bades. Anschließend ist Bettruhe notwendig. Nach dem Bad wird kalt oder temperiert abgegossen.
Der Arzt rät: das warme Bad = Unterleibserkrankungen, Wirbelsäulen-Beschwerden, Hexenschuß, Ischias, Hüftgelenksarthrose; das kalte Bad = chronische Stuhlverstopfung, Hämorrhoiden, Schlaflosigkeit.
Das Halbbad und das Dreiviertelbad (1/2-Bad - 3/4-Bad)
Ausführung in der Badewanne. Beim Halbbad reicht das Wasser bis etwa zum Nabel, beim Dreiviertelbad bis zur Brust. Temperatur 37/39 Grad; Badedauer 10 Minuten, hinterher kurz kalt abgießen oder abwaschen. Bettruhe von ca. 1 Stunde folgt dem Bad.
Der Arzt rät: Halbbäder führt man meist dann durch, wenn die Belastung für den Patienten nicht zu groß sein darf. Auch der Patient mit einem Blutunterdruck sollte vorwiegend nur Halbbäder nehmen. Diese Bäder wie auch die Dreiviertelbäder wirken entsprechend ihrer Ausdehnung auf die Muskulatur des Rückens, auf die Verdauungsorgane und haben naturgemäß ihre Wirkung auf das gesamte Kreislauf- und Stoffwechselsystem.
Das Armbad (Ab)
Es handelt sich dabei um eine kalte Anwendung. Man benötigt dazu eine Armbadewanne oder ein Waschbecken. Die Arme werden bis etwa Mitte des Oberarmes ins Wasser getaucht. Man verweilt dann so lange im Wasser, bis die Reaktion eintritt (leichte Hautrötung, Kribbeln, Ziehen meist im Bereich des Unterarmes). Nicht abtrocknen, Wasser abstreifen, bekleiden und durch Bewegung für gute Wiedererwärmung sorgen.
Der Arzt rät: Das kalte Armbad wirkt sehr erfrischend, regt den Kreislauf an und bringt Beruhigung für das nervöse Herz.
Das Wechselarmbad (W Ab)
Das Wechselarmbad wird möglichst im Sitzen ausgeführt. Hierzu benötigt man zwei Armbadewannen oder ähnliche Gefäße. Die Arme werden zunächst für 3 - 5 Minuten ins warme Wasser getaucht, dann einige Sekunden ins kalte Wasser wechseln. Das Ganze wird dann nochmals wiederholt. Auch bei diesem Bad wird nicht abgetrocknet, sondern durch Bewegung für Wiedererwärmung gesorgt. Zur Verstärkung der Reizwirkung setzt man dem warmen Wasser pflanzliche Badeextrakte zu (siehe Badezusätze).
Der Arzt rät: Bei Durchblutungsstörungen der Hände und Arme ist dieses Bad sehr zu empfehlen, auch bei Einschlafen der Finger und Hände. Zur Kreislaufanregung kommt es ebenso zur Anwendung wie bei erhöhtem Blutdruck.
Das Wechselfußbad (WFb)
Zwei Fußbadewannen oder Eimer sind für diese Anwendung notwendig (Vorsicht bei Krampfadern). Es ist darauf zu achten, dass das Wasser bis etwa eine Handbreit unter die Kniescheibe reicht. Es wird bei diesem Bad genauso verfahren wie beim Wechselarmbad, also zweimal wechseln. Temperatur, Badedauer und alle anderen Modalitäten gleichen dem Wechselarmbad.
Der Arzt rät: Der chronische kalte Fuß und die Durchblutungsstörungen sind die bevorzugte Indikation für das Wechselfußbad. Auch bei Schlaflosigkeit kommt es zur Anwendung. Häufig werden auch Kopfschmerzen günstig beeinflußt.