Goldene Regeln für Ihre Kur und für die Gesundheitspflege zu Hause
1. Damit der erstrebte Kurerfolg erreicht wird, ist ein Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient unerläßlich. Besprechen Sie deshalb mit Ihrem Arzt Ihre Probleme. Er wird Ihnen in allen die Gesundheit betreffenden Fragen Auskunft geben können. Wichtig ist Ihre innere Bereitschaft, sich der Kur zu widmen. Befolgen Sie die Anweisungen des Badepersonals hinsichtlich der verordneten Kurmittel, der Ruhezeiten, des Verhaltens nach der Anwendung.
2. Änderungen der Kurverordnungen sind in bestimmten Situationen notwendig, z. B. bei plötzlichen Erkrankungen, der Monatsblutung u. ä. Wenden Sie sich in solchen Fällen an Ihren Kurarzt, der entscheidet, ob und in welcher Form die Kuranwendungen fortzusetzen sind.
3. Die Kur im Heilbad bringt einige Veränderungen mit sich. Man denke an das verändene Milieu, das Klima, den Wegfall der beruflichen Belastung usw. Meiden Sie vor allem in den ersten Tagen größere körperliche Anstrengungen, wie ausgedehnte Märsche, Sport, Trimmen etc.
4. Achten Sie darauf, daß Sie nie zwei Anwendungen unmittelbar hintereinander durchfuhren. Zwischen den einzelnen Anwendungen sollte eine Pause von 1 bis 11/2 Stunden liegen. Dasselbe gilt für die Abstände vor und nach den Mahlzeiten und den Anwendungen. Die einzige Ausnahme bilden Anwendungen, die der Verdauung dienen und die vom Arzt als solche verordnet werden. In diesem Zusammenhang ist auch davor zu warnen, daß man kurz vor oder nach einer Kneipp-Anwendung das Schwimmbad aufsucht oder die Zimmerdusche benutzt. Auch dies sind Reize, die der Körper verarbeiten muß.
5. Eine wichtige Regel lautet: Niemals eine kalte Anwendung auf einen kalten Körper oder Körperteil, d. h.
z. B. niemals Wassertreten mit kalten Fußen. Nach kalten Anwendungen wird nicht abgetrocknet, das Wasser abstreifen und für Wiedererwärmung im Bett oder durch Bewegung sorgen.
6. Nach warmen Anwendungen ist in der Regel das Bett wieder aufzusuchen. Wickel, Heusäcke und Packungen sind grundsätzlich im Bett auszuführen. Gerade vor diesen Anwendungen ist darauf zu achten, daß Blase und Darm entleert werden.
7. Während der Anwendungen soll man sich ruhig verhalten, gleichmäßig und tief atmen, Unterhaltungen vermeiden. Im Wickel, Heusack oder in der Packung völlig entspannen, also nicht lesen, kein Radio hören, sondern sich der beruhigenden Wirkung dieser Anwendungen hingeben.
8. Während für die warmen Anwendungen meistens die Zeitdauer angegeben wird, auch die Temperatur, ist dies bei den kalten Verordnungen nicht der Fall. Hier muß man besonders auf die Reaktion achten, z. b. leichte Rötung der Haut, Kribbeln oder Ziehen in den Waden beim Wassertreten oder in den Armen beim kalten Armbad. Tritt eine solche Reaktion auf, so ist die Anwendung zu beenden. Für die Güsse gilt diese Regel auch. Sollten Sie im kalten Wickel nicht warm werden, so ist der Wickel abzunehmen und für Erwärmung im Bett zu sorgen. Arzt und Badepersonal sollten davon verständigt werden.
9. Den Körper jeweils nur so weit entkleiden, wie unbedingt erforderlich, damit die Wärme erhalten bleibt. Zugluft während der Anwendung ist zu vermeiden. Der Raum muß eine entsprechend angenehme Temperatur haben. Wenn Anwendungen des Abends
durchgeführt werden, die eine Bettruhe erfordern, so ist das Bett vorher zu erwärmen, indem man sich 15-20 Minuten vor der Anwendung ins Bett legt.
10. Andere Anwendungen, wie Sauna, Schwimmen usw. müssen sinnvoll in den Kurplan integriert werden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, wenn er nicht von sich aus entsprechende Empfehlungen gibt. Auch in diesen Fällen muß eine angemessene Zeit zwischen einer Kneipp-Anwendung und z. B. dem Saunabesuch liegen bzw. der Arzt wird den Saunabesuch auf einen Tag legen, an dem keine oder nur kleine Anwendungen vorgesehen sind.
11. Während der Kur ist auf kurgemäße Kleidung zu achten, besonders auch, was die Schuhe betrifft. In der warmen Jahreszeit eignen sich die Kneipp-Sandalen immer noch vortrefflich als eine den Fuß kräftigende Bekleidung. An Barfußgehen ist ebenfalls zu denken, wie an Tautreten in der Frühe, auf nassen Steinen laufen oder Schneetreten im Winter.
12. Die Ernährung ist eine wichtige Säule der Kneipp- Therapie. Deshalb sind auch hier die Empfehlungen des Arztes einzuhalten, besonders, wenn eine entsprechende Diät empfohlen wird. Die Abendmahlzeit ist möglichst vor 18 Uhr einzunehmen. Kneipp sagte einmal: »Späte Abendmahlzeiten füllen die Särge."
13. Im Rahmen der Kneipp- Therapie ist die Heilpflanze als ein wichtiger Bestandteil der Gesamtbehandlung zu sehen. Auch daran sollte sowohl während der Kur als auch bei häuslichen Maßnahmen immer gedacht werden. Der Kräutertee - meist vom Arzt empfohlen - hat auch heute seine Berechtigung. Badezusätze, die pflanzlichen Ursprungs sind, gehören zur Kneippschen Wasserbehandlung.
14. Lebensfreude und Geselligkeit gehören zur Kur, doch sollten auch hier einige Empfehlungen beachtet werden, wie das Meiden von Genußgiften (Nikotin, Alkohol). Das Verhältnis Ruhe-Anspannung - Nacht-Tag sollte weitgehend stimmen.
15. Kneipp hat als Priester sehr wohl die engen Zusammenhänge zwischen Seele/Geist einerseits und Körper andererseits erkannt.
Seine Aussage:
»Manchmal hatte ich mit meinen Anwendungen keinen Erfolg. Erst als ich Ordnung in die Seelen meiner Patienten brachte, besserten sich auch die körperlichen Gebrechen", hat heute mehr denn je Gültigkeit. Deshalb gilt es, während der Kur und auch
zu Hause Ordnung auf diesem Gebiet zu halten oder wieder zu schaffen. Ihr Arzt ist auch in solchen Fragen Ihr Ansprechpartner, aber auch andere Menschen Ihres Vertrauens zählen dazu. Der Sinn der Kur, wie auch der häuslichen Maßnahmen ist es, Ihre Gesundheit zu festigen oder wiederherzustellen, Ihr Wohlbefinden zu fördern, Ihre Leistungsfähigkeit zu verbessern. Mit einer Lebensweise, wie sie uns Kneipp vorgezeichnet hat, ist dies möglich. Nutzen Sie diese Chance, damit Ihr Leben lebenswert bleibt oder wieder wird.
"Je gesunder und kräftiger aber der menschliche Leib ist, um so frischer und leistungsfähiger wird auch sein Geist sein."