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Die Waschungen

Die kalten Waschungen zählen zu den mildesten Kneipp-Anwen-
dungen. Sie wirken abhärtend, beruhigend, verbessern die Haut-
durchblutung, regen leicht den Stoffwechsel an und wirken günstig
auf Herz und Kreislauf.

Dabei ist zu beachten:

1. Der Körper muß gut warm sein. Da die Waschungen vorwiegend
morgens durchgeführt werden, ist diese Bedingung (Bettwärme) ge-
geben. Man kann jedoch die Waschungen auch abends vornehmen.
In diesem Fall sollte man sich etwa 15 - 20 Minuten ins Bett legen,
um es gut zu durchwärmen und erst dann die Waschung ausführen.

2. Auf die Raumtemperatur ist zu achten, d. h. man darf bei der Wa-
schung nicht frösteln oder frieren. Zugluft ist streng zu vermeiden.

3. Den Körper nur so weit entkleiden, als unbedingt erforderlich.

4. Nach der Waschung nicht abtrocknen, sondern Nachthemd,
Schlafanzug wieder anziehen und zurück ins warme Bett. Gut
einpacken.

5. Normal wird kaltes, frisches Wasser verwendet. Bei kälteempfind-
lichen Menschen kann das Wasser temperiert werden, zumindest zu
Beginn solcher Anwendungen.

6. Ein grobporöses Leinentuch verwenden, das man mehrfach zu-
sammenlegt (etwa auf Handtellergröße). Tuch immer gut ausdrük-
ken, so daß beim Waschen ein feiner Wasserfilm auf der Haut ent-
steht.

Waschungszusätze..

1. Obst- oder Weinessig. Ein Teil Essig auf zwei Teile Wasser.
2. Kochsalz (selten). 1 Eßlöffel Salz auf 1 Liter Wasser.
3. Arnika. Von der Tinktur nur wenige Tropfen verwenden.
4. Retterspitz. Im Verhältnis 1:5.

Waschungen werden als Teil- oder Ganzanwendung durchgeführt.

Die Oberkörperwaschung (Okw)

Ausführung: Tuch eintauchen, ausdrücken - Beginn rechte Hand außen (Kleinfinger) hoch bis zur Schulter - an der Innenseite abwärts zum Daumen - Tuch wenden - an der Unterseite bis zur Achselhöhle, diese mitwaschen. Neu eintauchen, ausdrücken, Hals waschen - dann in Längsstrichen Brust und Leib bis zum Nabel. Tuch neu eintauchen - linken Arm waschen (wie rechts) - wieder eintauchen.
Rücken in Längsstrichen waschen. Darauf achten, daß die Flanken mitgewaschen werden. Bei Selbstausführung der Waschung wird der Rücken gewaschen, indem man das Tuch auseinanderzieht, die Enden in beide Hände nimmt und über den Rücken zieht.

Der Arzt rät:

Die Oberkörperwaschung wird gern bei akuten und chronischen Katarrhen der oberen Luftwege angewandt, ferner bei vegetativen Fehlfunktionen und Erschöpfungszuständen.

"Lernet das Wasser und seine Anwendungen und Wirkungen recht kennen und es wird euch Hilfe bringen, wo Hilfe noch möglich ist...!"

Die Unterkörperwaschung (Ukw)

Ausführung:

Unterkörper entkleiden - Tuch eintauchen, ausdrükken, rechter Fuß außen (Kleinzehe) aufwärts über Wade und Oberschenkel bis zum Beckenrand (gut tastbar) - über die Vorderseite zurück zum Fuß - Tuch wenden - an der Innenseite hoch bis zur Leiste. Tuch eintauchen, ausdrücken - Rückseite des gleichen Beines, Außenseite Ferse hoch bis zum Beckenrand, über das Gesäß abwärts, Innenseite des Beines bis zum Fuß (innere Ferse). Das linke Bein in gleicher Weise waschen. Tuch danach neu eintauchen und
beide Fußsohlen waschen.

Der Arzt rät:

Die Unterkörperwaschung führt zu einer guten Durchblutung der Beine. Sie eignet sich auch gut als Schlafmittel, wenn sie abends angewandt wird.

Die Ganzwaschung (Gw)

Ausführung:

Ganz entkleiden - Tuch eintauchen, ausdrücken - Beginn rechte Hand außen (Kleinfinger), hoch bis zur Schulter - an der Innenseite abwärts bis zum Daumen - Tuch wenden - Unterseite des Armes hoch bis zur Achselhöhle (mit auswaschen). Tuch
eintauchen, ausdrücken - linken Arm wie rechts waschen. Tuch neu eintauchen - Hals waschen - dann von der rechten zur linken Schulter und zurück - an der rechten Körperseite abwärts über das rechte Bein zur Kleinzehe - von der großen Zehe über die Innenseite des Beines hoch bis zum Hals - wieder zurück bis zur Schamgegend. Tuch eintauchen - linke Körperseite in gleicher Weise waschen. Tuch eintauchen - Rückseite waschen - zuerst von der rechten zur linken Schulter und zurück - dann abwärts wie für die Vorderseite beschrieben. Am Schluß beide Fußsohlen waschen.

"Die Waschungen, Ganz- oder Teilwaschungen, bewirken allererst eine Erhöhung der Naturwärme; es entsteht recht bald nach der Waschung auf der ganzen Hautfläche eine erhöhte Wärme, die auch tiefer in den Körper eindringt." - "Eine Bemerkung muß ich zu der Ganzwaschung noch machen, und diese lautet: Alle Tage eine Ganzwaschung taugt nicht. Man gewöhnt dadurch den Körper zu sehr daran, und dann haben die Waschungen nicht mehr die vorzügliche Wirkung." - "Wird die Ganzwaschung bei einer Krankheit angewendet, so soll sie fortgesetzt werden, bis der Kranke vollständig gesund ist; dann aber soll sie nur mehr jeden dritten oder vierten Tag stattfinden."

Der Arzt rät:

Hervorragend als Abhärtungsmittel. Zur Anregung des Stoffwechsels und der Ausscheidung, deshalb angewandt bei Stoffwechselerkrankungen wie Zuckerkrankheit, Gicht, Fettsucht, auch beim Rheumatismus. Zur Kreislaufanregung. Bei Nervösen und
Schlaflosen.

Sebastian Kneipp: "Abends vor dem Schlafengehen kann nicht jeder eine Wasseranwendung vornehmen, da diese manche Personen aufregt. Wer sie ertragen mag, verliert gerade da die wenigste Zeit und wird fester und ruhiger schlafen, als er es sonst gewöhnt ist. Gar vielen, welche nachts nicht einschlafen konnten, habe ich statt der Ganzbäder die leichtere Ganzwaschung und meistens mit gutem Erfolg empfohlen."

Die Leibwaschung (Leibw.)

Ausführung:

Auf den Rücken legen - Beine anziehen, damit die Bauchmuskulatur entspannt ist. Tuch eintauchen und den Leib im Uhrzeigersinn waschen. Beginnen etwas oberhalb der rechten Leiste bis zum rechten Rippenbogen - quer zum linken Rippenbogen -
links abwärts zur Leiste - dann rechts wieder beginnen - also im Verlauf des Dickdarms - etwa 20 - 30mal waschen, Tuch evtl. zwischendurch eintauchen. Waschung durchaus mit etwas Druck durch die Fingerkuppen ausführen.

Der Arzt rät:

Besonders geeignet bei chronischer Verstopfung, Blähsucht.

Die Serienwaschung

Ausführung:

Meist als Teilwaschung werden innerhalb von 2 Stunden ca. 4-6 Anwendungen vorgenommen. Man beende die Serie, wenn der Patient zu schwitzen beginnt. Sollte dies nach 6 Waschungen nicht der Fall sein, so ist die Serie auch zu beenden, es liegt eine Fehlreaktion oder ein Behandlungsfehler zugrunde. Wichtig: Je höher das Fieber, um so weniger kalt das Wasser! Die Serie kann nach ca. 3 Stunden wiederholt werden. Der Arzt rät: Bei allen fieberhaften Erkrankungen, vor allem sog. grippalen Infekten, ist die Serienwaschung anzuwenden. Meistens wird sie als Ober- oder Unterkörperwaschung durchgeführt.

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