Die Wickelarten
Kalte Wickel
Man unterscheidet drei Wickelarten.
Der wänneentziehende kalte Wickel
Dieser Wickel sollte so kalt wie möglich und so naß wie möglich angelegt werden. Er hat die Aufgabe, örtlich Wärme zu entziehen. Er wird abgenommen, wenn er anfängt, warm zu werden, was je nach Hitzeentwicklung nach 10-15 Minuten der Fall sein kann. Meist wird dieser Wickel mehrfach hintereinander wiederholt.
Der Arzt rät: Anwendung bei örtlichen Entzündungen wie Venenentzündungen, Gelenkergüsse, Verstauchungen, Prellungen, Blutergüsse, Verrenkungen, Sehnenscheidenentzündungen, Fieber u. ä. Bei Kaltanwendungen auftretende Wadenkrämpfe sind als Warnung zu werten und er/ordern sofortiges Absetzen der Anwendung!
Der wännestauende, kalte Wickel
Bei diesem Wickel verwendet man normalerweise frisches, kaltes Wasser. Das Wickeltuch aber wird gut ausgewrungen. Die Verweildauer des Wickels beträgt ca. 45-75 Minuten. Die Abnahme der Wickeltücher erfolgt jedoch vor einem eventuellen Schweißausbruch. Nach dem Wickel muß der Patient mindestens noch Bettruhe für Ih bis 1 Stunde einhalten. Bei diesem Wickel kommt es, wie der Name schon ausdrückt, zu einer Stauung der Wärme, die der Körper selbst bilden muß. Es kommt im Verlauf des Wickels zu einer vermehrten Durchblutung der Haut, wodurch sich eine vermehrte Wärmeproduktion ergibt, was zwangsläufig eine Steigerung der Stoffwechselfunktionen mit sich bringt.
Der Arzt rät: Dieser Wickel wirkt auf das Herz-Kreislauf-System, ist
bei Schlaflosigkeit zu empfehlen, bei Stoffwechselerkrankungen wie Zuckerkrankheit, Fettsucht; bei Gicht und rheumatischem Geschehen nicht am Ort der Beschwerden. Bei Durchblutungsstörungen, Bluthochdruck, Blutunterdruck (nur kleine Wickel), bei Hauterkrankungen mit reizminderndem Zusatz.
Der schweißtreibende, kalte Wickel
Eine Steigerung des wärmestauenden Wickels ist der schweißtreibende Wickel. Man erreicht diese Wirkung, indem man den Wickel (Tuch gut auswringen) länger am Patienten liegen läßt. Die Verweil-dauer ist 11/2-2 Stunden, d. h. so lange, bis ein massiver Schweißausbruch eintritt. Ist der Schweiß ausbruch eingetreten, läßt man den Wickel noch 20-30 Minuten liegen. Nach Abnahme des schweißtreibenden Wickels ist mindestens noch I Stunde Bettruhe erforderlich.
Der warme Wickel
Dieser Wickel wird gelegentlich nur bei älteren, geschwächten Patienten angelegt, weil diese Patienten im allgemeinen über eine schlechte Reaktionsfähigkeit verfügen. Beim kalten Wickel haben wir einen aktiven Vorgang im Körper, beim warmen Wickel wird die Wärme passiv zugefühn, d. h., daß es sich hierbei auch um eine wärmestauende Maßnahme handelt. Die Verweildauer des Wickels ist relativ kurz, da der Wickel infolge der nicht allzu hohen Temperatur ziemlich schnell auskühlt.
Der Arzt rät: Ein Wickel für den schwachen, älteren Menschen, auch bei Durchblutungsstörungen.
Der heiße Wickel
Der heiße Wickel stellt ebenfalls eine wärmestauende Maßnahme dar, er kann jedoch bei längerer Verweildauer auch zu einem schweißtreibenden Medium werden. Wegen der höheren Temperatur ist dieser Wickel naturgemäß sehr viel wirkungsvoller als der warme Wickel. Er findet praktisch bei allen chronisch-degenerativen Prozessen Anwendung.
Zu beachten: Das Wickeltuch gut auswinden.
Der Arzt rät: Zu empfehlen bei Muskelverhärtungen, degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates, Arthrosen, Gicht, Bandscheibenschäden, statisch bedingtem Kopfschmerz (Heusack, Nakken), Hexenschuß, Ischialgie, Neuralgien des Armes u. a., Koliken im Bereich des Darms, der Galle, der Niere, chronischen Bronchiti den, Asthma bronchiale (nicht während des Anfalls), chronischen Entzündungen der Unterleibsorgane.
Die gebräuchlichen Wickelformen
Der Fußwickel (Fw)
Kneipp nennt ihn eine wichtige Nebenanwendung. Das Wickeltuch in halb Wasser, halb Essig tauchen, Füße bis über die Knöchel umwinden, die trockenen Tücher oder trockene Wollsocken darüber; eine Stunde Dauer für diese Bettanwendung.
"In allen Fällen, in denen es sich darum handelt, krankhafte
Säfte aus den Füßen auszuziehen, bei Entzündungen die
Hitze zu nehmen, das Blut vom obern Körper nach unten
zu ziehen, leistet dieser Fußwickel treffliche Dienste. Man
verwechsle ihn nicht mit dem Fußbade und seinen Wirkungen!
...eine Ausleitung verdorbener Säfte aus den Füßen vermag
kein kaltes und kein warmes Fußbad zustande bringen."
Sebastian Kneipp
Der Wadenwickel (Ww)
Das Anlegen dieses Wickels erfolgt nach der allgemeinen Wickeltechnik. Beide Unterschenkel, also Knöchel bis Kniekehle; statt Wadenwickel können auch nasse Kneipp-Strümpfe angewendet werden. Bei einseitig entzündlichen Prozessen oder Verletzungen (keine offenen Wunden) ist selbstverständlich nur das erkrankte Bein zu wickeln.
Der Arzt rät: Als kalter, wärmeentziehender Wickel wird er bei Fieber und allen entzündlichen Prozessen der Venen verwandt, als wärmestauender Wickel vor dem Schlafengehen angelegt bei Einschlafstörungen und Schlaflosigkeit.
Der Beinwickel (Bn W)
Hierbei handelt es sich um den größten Wickel im Bereich der Füße/Beine. Er umfaßt praktisch das ganze Bein, also Fuß, Unterschenkel, Kniegelenk und Oberschenkel. Abschluß ist die Leistengegend. Bei diesem Wickel werden die Wickeltücher als Viereck hingelegt. Es ist darauf zu achten, daß das körpernahe Ende des Tuches so abgeschrägt gelegt wird, daß praktisch eine längere und eine kürzere Seite entsteht, wobei die längere Seite außen, die kürzere innen zu liegen kommt. Man wickelt zunächst den Fuß und die Wade, dann den Oberschenkel. Auf die Leistenbeuge darf durch Falten oder Wülste kein Druck ausgeübt werden, da es dadurch zu Stauungen kommen kann.
Der Arzt rät: Die Indikationen entsprechen denen des Wadenwickels, nur ist die Wirkung intensiver. Er dient auch zur Ausleitung von Hitze im Oberkörper und zur Lösung quälender Winde und Gase; als heißer Wickel bei Ischialgie und anderen rheumatischen Prozessen.
„Wie jeder Wickel seinen eigenen Namen trägt, so hat er
auch seine eigene Wirkung. Und wie die Wickel ganz ver-
schieden voneinander sind, so sind auch die Wirkungen
verschieden. Doch darin stimmen alle überein, daß sie auf
lösen, die kranken Stoffe selber aufnehmen, ausleiten und
so die Natur verbessern. Wie die Wickel kranke Stoffe
auflösen und aufsaugen, so nehmen sie auch die Hitze auf
und entfernen das Übermaß derselben und geben auch um-
gekehrt der Natur eine künstliche Wä.rme, wie es eben ihr
Zustand erfordert."
Sebastian Kneipp
Der Halswickel (Hw)
Das Wickeltuch hat etwa die Breite einer Hand. In der Länge soll es ausreichen, den Hals zweimal zu umwickeln. Über das nasse Wickeltuch wird das Zwischentuch und das Wolltuch fest angelegt, so dass möglichst wenig kalte Luft an das nasse Tuch gelangt. Allerdings darf der Wickel nicht so straff angelegt werden, daß der Patient das Gefühl der Enge oder Angstzustände bekommt. Dieser Wickel wird gern als Lehmwasserwickel verordnet.
Der Arzt rät: Als wärmeentziehender Wickel bei Entzündungen im Bereich des Halses (Mandeln, Kehlkopf). Als Lehmwasserwickel oder als Lehmpflaster wird er bei Überfunktion der Schilddrüse gegeben. Bei geschwollenen Lymphdrüsen empfiehlt sich der heiße Halswickel.
Der Brustwickel (Bw)
Der Wickel reicht von der Achselhöhle bis zum unteren Rippenbogen. Das Wickeln erfolgt nach der allgemeinen Wickeltechnik, jedoch ist beim Brustwickel darauf zu achten, daß das Einwickeln bei mittlerer Atemsteilung erfolgt und nicht nach tiefer Ein- oder Ausatmung. Dadurch wird gewährleistet, daß sich der Brustkorb auch im Wickel bei der Atmung genügend ausdehnen kann, aber auch eine Lockerung des Wickels vermieden wird.
Der Arzt rät: Vor allem als heißer Wickel zu empfehlen bei chronischer Bronchitis, beim Asthma bronchiale (nicht während des Anfalls), als kalter Wickel bei fieberhaften Erkrankungen der Atmungsorgane.
Der Lendenwickel (Lw)
Dieser Wickel zählt zu den gern und häufig verordneten Wickelanwendungen, da sein Einfluß auf die Organe und Funktionen des Bauch- und Beckenraumes recht bedeutend ist. Er reicht vom unteren Rippenbogen bis etwa zur Mitte des Oberschenkels. Das Anlegen erfolgt nach den allgemeinen Richtlinien. Man sollte stets darauf achten, daß der Wickel gut anliegt und der Patient nicht auf Wülsten liegt, die sich bei unsachgemäßem Einwickeln bilden können.
Der Arzt rät: Der kalte Wickel (wärmestauende Maßnahme) wird bei nervös-funktionellen Magen-Darm-Beschwerden angewandt, wie auch bei der Verstopfung. Als heißer Wickel kommt er bei kolikanigen Beschwerden zur Durchführung (Galle), bei Gasbildung im Darmbereich, bei chronischen Nieren- und Blasenerkrankungen, zur Verbesserung der Leberfunktion.
Der Kurzwickel (Kw)
Diese Anwendung zählt zu den großen Wickeln. Er erstreckt sich von der Achselhöhle bis zur Mitte des Oberschenkels. Der Wickel muß oben und unten gut am Körper anliegen. Diesen Wickel kann man als Kombination des Brust- und Lendenwickels ansehen. Die Arme werden dabei nicht miteingewickelt.
Der Arzt rät: Der kalte Wickel wird bei allen Stoffwechselstörungen verordnet, also bei Fettsucht, Übergewicht, Gicht, Zuckerkrankheit, Fettstoffwechselstörungen. Er förden die Durchblutung, besonders im Bereich der Brust-, Bauch- und Beckenorgane. Die weiteren Indikationen entsprechen denen des Lendenwickels, teilweise auch des Brustwickels, nur ist der Wickel der Größe wegen in der Wirkung stärker. Als heißer Wickel wird er bei degenerativen Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule angewendet.
Die Leibauflage (Lb-Aufl.)
Für diesen Zweck wird ein Wickeltuch mehrfach zusammengefaltet. Die Auflage bedeckt etwa den Bauchraum zwischen unterem Rippenbogen und Schamgegend. Auflagen können sowohl kalt als auch warm angelegt werden. Kalte Auflagen entfernt man, wenn sie warm geworden sind, warme, sobald sie abzukühlen beginnen. Der Arzt rät: Die Leibauflage wird ausnahmsweise auch unmittelbar nach der Mahlzeit angewandt. Sie förden die Verdauungstätigkeit, kommt daher bei Verstopfung zur Anwendung, wie auch bei nervösen Magenbeschwerden, heiß bei krampfanigen Störungen im Magen-Darm-Bereich.