Multiple Sklerose mit Naturheilkunde und Kneipp behandeln
Multiple Sklerose ist eine Erkrankung mit 1000 Gesichtern und die Krankheit der vielen Ärzte, was besagen will, dass dieses Krankheitsbild am Beginn sehr schwer zu diagnostizieren ist. Die Pathophysiologie zeigt eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems mit nachfolgenden Plaques und über das gesamte Gehirn verstreute Skleroseherde. Es kommt zu einer Zerstörung der Myelinscheiben der Nerven, was zu motorischen und sensiblen Nervenausfällen führen kann. Charakteristisch ist der schubweise Verlauf dieser Erkrankung. Der Beginn erfolgt zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Die Ursache dieser Erkrankung ist unbekannt, wobei als Hypothesen eine Autoaggressionskrankheit, eine gewisse Vererbung oder eine Virusinfektion diskutiert werden. Interessant ist auch das Nord-Süd-Gefälle, wobei im Norden unserer Halbkugel und bei hochtechnisierten Regionen diese Erkrankung häufiger vorkommt als im Süden. Eine Impfung, eine Virusinfektion, ein Trauma, ein Unfall, eine Operation, eine Schwangerschaft oder eine schwere körperliche oder seelische Erschütterung können den Beginn einer multiplen Sklerose auslösen. An Erstsymptomen werden eine schnelle Ermüdbarkeit, Empfindungsstörungen, Taubheitsgefühl, Sehstörungen, gelegentlich auch Doppelbilder und eine gestörte Muskelkraft beschrieben. Neben einer neurologischen Untersuchung mit fehlenden Bauchdeckenreflexen wird die Diagnose durch eine Computertomographie oder Kernspintomographie sowie durch eine Liquoruntersuchung gesichert. Aus augenärztlicher Sicht lässt sich oft eine Optikusneuritis oder Retrobulbärneuritis mit Sehstörungen diagnostizieren. Die Symptomatik einer fortgeschrittenen multiplen Sklerose ist vielgestaltig: Muskelschwäche, Gefühlsstörungen, Temperaturempfindungsstörungen, Sehstörungen, Doppelbilder, Blasen- und Mastdarmstörungen sowie Gangunsicherheit bei spastischem Gehverhalten, Sprach- und Schluckbeschwerden (verwaschene Sprache) sowie Tremor, Schwindel und Ischiasbeschwerden zeigen die Vielfalt dieses schweren Krankheitsbildes.
Rezidivierend treten auch immer wieder Nervenentzündungen auf, die recht gut mit Vitamin B1 behandelt werden können. Im akuten Schub besteht die Therapie der Schulmedizin in Cortison-Gaben oder ACTH-Infusionen. Die Naturheilkunde bietet auch dosiert eine hochdosierte Enzym-Therapie an. Das homöopathische Mittel ist Causticum D 30 anfangs tgl. 1 Tbl.. An Mineralstoffen empfehlen sich die Schüssler’schen Lebenssalze wie Calcium phosphoricum, Kalium phosphoricum und Magnesium phosphoricum. Eine wesentliche Säule der Therapie ist die naturbelassene Ernährung mit reichlich rohem oder gedünsteten Obst, Gemüse und kalt geschlagenen Ölen. Fleisch, Weizenmehl, Nikotin und Alkohol sollten gemieden werden. Wichtig ist auch eine ausreichende Vitaminzufuhr, vor allem Vitamin A, B1, B6, B12, Vitamin E und als Infusion hoch dosiert Vitamin C.
An Kneippanwendungen empfehlen sich temperierte Güsse, ¾-Bäder mit Melisse, Einzelbehandlungen im Bewegungsbad, Koordinationstraining, Gehschule und eine gezielte Krankengymnastik sowie Lymphdrainage, Atemtherapie und Beckenbodengymnastik. Da dieses Krankheitsbild häufig mit depressiven Verstimmungen einhergeht, ist eine psychotherapeutische Begleittherapie zusätzlich angezeigt. Sehr empfehlenswert sind auch die Selbsthilfegruppen, die über die neuesten Therapiemöglichkeiten informieren und so die Kranken sich gegenseitig stützen nach dem Motto „geteiltes Leid ist halbes Leid.“
(Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Herrn Dr. Meier, langjähriger Leiter der Kneippklinik Sebastianeum in Bad Wörishofen)
