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koronare Herzerkrankung

Koronare Herzkrankheit (KHK) und Herzinfarkt

Wie entsteht die koronare Herzkrankheit?

Die koronare Herzkrankheit ist eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, die das Herz mit Blut versorgen. Sie verengen sich durch den Prozess der Arteriosklerose.

Nicht beeinflussbare Risikofaktoren:
* Alter
* genetische Veranlagung
* männliches Geschlecht

Beeinflussbare Risikofaktoren:
* Rauchen
* hoher Blutdruck
* Fettstoffwechselstörung (Cholesterin)
* Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
* Übergewicht
* Bewegungsmangel
* Stress

Wie erkennt man die stabile Brustenge (Angina pectoris)?

Angina pectoris-Beschwerden treten meist erst auf, wenn ein Gefäß mehr als 70% verengt ist. Der Schmerz tritt unter Belastung auf, wenn das Herz mehr Sauerstoff benötigt und verschwindet, wenn die Belastung aufhört. Solche Belastungen sind:

körperliche Anstrengung
* Treppensteigen
* rennen, z.B. zum Bus
* bergan gehen
* schwere Taschen tragen
* Kälte
* Stress
* seelische Erregung
* üppiges Essen

Wo treten die Beschwerden auf?

ausstrahlungen
Herzerkrankung
  • Schmerzen oder dumpfes, beklemmendes Engegefühl im Brustkorb, brennender, heftiger Druck
  • Manchmal tritt nur Luftnot auf. Besonders Frauen haben nicht selten nur Atemnot oder allgemeines Unwohlsein.

Diagnostik

Das EKG ist das erste und am weitesten verbreitete Hilfsmittel, um eine koronare Herzkrankheit zu erkennen. Da bei der stabilen Angina in Ruhe keine Beschwerden auftreten, hilft das EKG in Ruhe meist nicht weiter. Zielführend ist das Belastungs-EKG.

Ferner können hilfreich sein:
Ultraschall-Untersuchung unter Belastung (Stressecho)
nuklearmedizinisches Verfahren (Szintigraphie)
Herzkatheter mit Darstellung der Herzkranzgefäße

Wann wird die stabile Angina pectoris gefährlich?
Wenn die Intensität, die Dauer oder die Häufigkeit der Schmerzanfälle zunimmt, dann ist schnelle Abklärung beim Kardiologen oder in der Klinik notwendig, um einen Herzinfarkt zu verhindern.

Besondere Eile ist geboten:
Wenn der Brustschmerz bei minimaler Belastung oder in Ruhe auftritt, dann kann der Herzinfarkt unmittelbar bevorstehen (instabile Angina pectoris).

Möglichkeiten der Therapie:
* Ausschaltung der Risikofaktoren und Umstellung auf einen gesunden
* Lebensstil
* Medikamente
* Ballondilatation/Stents
* Bypass-Operation

Medikamente: Behandlungsziel
* Steigerung der Lebensqualität z.B. durch Vermeidung von Angina pectoris-Beschwerden
* Erhaltung der Belastungsfähigkeit
* Vermeidung von Herzinfarkten und Herzschwäche
* Verringerung der Sterblichkeit

Dauertherapie
4 Medikamentengruppen werden dauerhaft eingesetzt, um einen Herzinfarkt zu vermeiden und die Lebenserwartung zu verbessern:

  • ASS (Acetylsalicylsäure)
  • Statine (Cholesterinsenker)
  • ACE-Hemmer (Herzentlastung)
  • Betablocker (Drehzahlbegrenzung)

Wirksam oder unwirksam?
Die Wirksamkeit folgender Therapieformen für die KHK wurde nie bewiesen:
* Chelat-Therapie
* Homöopathie
* Phytotherapie
* Hormontherapie während und nach der Menopause
* Vitaminpräparate
* Sauerstofftherapie

Wann ist ein Stent sinnvoll?

stent
  • Beim Herzinfarkt ist ein sofortiger Kathetereingriff die beste Therapie.
  • Oft wird die instabile Angina pectoris, ein Vorläufer des Herzinfarkts, mit einem Kathetereingriff behandelt.
  • Bei der stabilen Angina pectoris, wenn ausgeprägte Verengungen in einem oder zwei Hauptästen vorliegen.
  • Bei Dreigefäßerkrankung oder Hauptstammstenose ist hingegen die Bypass-Operation die Methode der Wahl.
  • Die Behandlung gelingt mit modernen Stents in 95% der Fälle.
  • Um Wiederverengungen zu verhindern, wurden Stents entwickelt, die mit Medikamenten beschichtet sind, die das überschießende Wachstum von Zellen hemmen. Das Medikament wird innerhalb von Stunden bis Tagen in die Gefäßwand abgegeben. Die Entscheidung für einen unbeschichteten (BMS) oder beschichteten (DES) Stent trifft der behandelnde interventionelle Kardiologe.
  • Wird ein medikamentenbeschichteter Stent eingesetzt, muss die kombinierte Gabe von ASS und Clopidogrel für 6 oder 12 Monate oder länger eingenommen werden, um Stentthrombosen zu verhindern. Anschließend wird die Behandlung mit ASS allein über unbegrenzte Dauer fortgesetzt. ASS kann nur in Ausnahmefällen abgesetzt werden (lebensgefährliche Blutungen, wichtige Operationen).

Wie erkennt man eine Wiederverengung?
* Angina pectoris-Beschwerden wie vor der Stentbehandlung und/oder
* Veränderung im Belastungs-EKG.
* Bei Verdacht auf eine Wiederverengung ist eine erneute Herzkatheteruntersuchung notwendig.

Kontrolle nach Stent
Nach 3 und nach 6 Monaten, später jährlich, sollte eine ambulante Kontrolluntersuchung durchgeführt werden mit
* Belastungs-EKG und
* ggf. Echokardiographie

Ein Herzkatheter ist nur notwendig, wenn wieder Beschwerden auftreten oder das Belastungs-EKG auffällig ist. Wenn Schwere, Dauer oder Häufigkeit der Beschwerden zunehmen, ist eine sofortige Vorstellung beim Kardiologen oder – wenn der nicht erreichbar ist – in der Klinik notwendig.

Bypass-Operation
Die Stentbehandlung weitet die Engstellen in den Herzkranzgefäßen auf,
der Bypass überbrückt sie.

bypass
  • Durchblutung wird wiederhergestellt in 90 – 95% der Fälle.
  • Langzeitverlauf günstig: schnelle, durchgreifende Besserung des Gesundheitszustands.
  • Sterblichkeit im Krankenhaus: 0,5 – 2,5%.

Welche Gefäßbrücken?
linke Brustwandarterie: Offenheitsrate über 95% nach 20 Jahren Venen aus den Beinen: Offenheitsrate variiert: nach 5 Jahren 70% und nach 10 Jahren etwa 60%

herzinfarkt

Warum zählt beim Infarkt jede Minute?

  • Eine große Gefahr: Kammerflimmern. Wird die Rhythmusstörung nicht schnell behoben, kommt es zum totalen Kreislaufzusammenbruch.
  • Die andere große Gefahr ist der Verlust von Herzmuskelgewebe. Ein schneller Eingriff kann den Schaden begrenzen.

Bei Verdacht auf Infarkt: niemals zögern, Notruf wählen!
* 112 oder örtliche Notrufnummer (19222), vom Handy nur die 112.
* Nicht warten: nie in der Nacht auf den Morgen warten, nie am Wochenende auf den Montag.
* Rettungswagen alarmieren, Verdacht auf Herzinfarkt deutlich äußern, weil sonst nur ein einfacher Krankenwagen kommt.
* Der Hausarzt kann in dieser Situation nicht helfen, ebenso wenig wie der Ärztliche Notdienst. Beide sind in dieser Situation Umwege, die lebensrettende Zeit kosten können.

Risikofaktoren und Änderung des Lebensstils
Die größten Chancen einen Herzinfarkt zu vermeiden haben Sie, wenn Sie sich früh für einen gesunden Lebensstil entscheiden.

  • weg vom Tabak
  • Blutdruck unter 140 / 90 mmHg
  • LDL-Cholesterin unter 100 mg / dl
  • Normalisierung des Gewichts
  • regelmäßige körperliche Bewegung (5x pro Woche / 30 Minuten)
  • Stress abbauen (emotionale Unterstützung bei Freunden und in der Familie suchen)
  • traditionelle Mittelmeerküche
mittelmeerkche

Was ist Mittelmeerküche?

  • viel Gemüse, Salat, frische Kräuter, Obst, Hülsenfrüchte
  • hoher Anteil an komplexen Kohlenhydraten: Brot, Pasta, Reis, Kartoffeln
  • Vollkornprodukte
  • magere Milchprodukte
  • Oliven- oder Rapsöl statt Butter, Sahne oder anderen tierischen Fetten
  • wenig Fleisch, eher Fisch

Bewegung als Therapie
Bewegung bzw. Sport ist ein wichtiges zusätzliches Therapiekonzept zur Behandlung der koronaren Herzkrankheit:

  • Lebenserwartung wird verbessert.
  • Zahl der Krankenhausaufenthalte wird verringert.
  • Körperliche Leistungsfähigkeit wird verbessert.
  • Risikofaktoren werden günstig beeinflusst (Gewichtsabnahme, Senkung des Bluthochdrucks, Erhöhung des gefäßschützenden HDLs).
  • Fortschreiten der koronaren Herzkrankheit wird abgebremst.
  • Die Trainingsintensität muss vom Kardiologen in jedem einzelnen Fall anhand der Untersuchungsbefunde bestimmt werden.
  • Nur so ist Sicherheit beim Training gewährleistet.
  • Günstig sind Ausdauersportarten: 5x pro Woche 30 Minuten

Der Text wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Prof. Dr. med. Jens Wagner, Chefarzt der Klinik Bad Wörishofen, in Zusammenarbeit mit der Deutschen Herzstiftung. Die Klinik Bad Wörishofen beteiligt sich regelmäßig an Fortbildungsveranstaltungen für die Deutsche Herzstiftung.
Link zur Deutschen Herzstiftung: herzstiftung
In der Klinik Bad Wörishofen wird eine moderne Rehabilitations-Therapie der koronaren Herzerkrankung durchgeführt. Die Herzsportgruppe der Klinik Bad Wörishofen ist auf Patienten mit koronarer Herzerkrankung und Zustand nach Herzinfarkt spezialisiert.
Link zu Prof. Dr. med. Jens Wagner
Link zur Homepage der Klinik Bad Wörishofen

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