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Prostatahyperplasie

Aktuelle Aspekte zur Prostatavergrößerung

Die gutartige Prostatavergrößerung hat sich als Begriff für Probleme beim Wasser lassen etabliert. Besser charakterisieren lässt sich diese Erkrankung doch durch den Begriff des gutartigen Prostatasyndroms, das die vielen Varianten und Facetten dieser Erkrankung mit einbezieht. Zunächst ist die Prostatavergrößerung als eine Ursache für die Probleme des Mannes beim Wasser lassen zu nennen: Verzögertes Wasser lassen, Harnstrahlabschwächung, Restharnbildung und das nächtliche Aufstehen sind hier als die bekannten Symptome zu nennen. Doch auch weitere Symptome wie häufiges Wasser lassen (Pollakisurie), häufiger Drang zum Wasser lassen mit ungewolltem Urinverlust (Urgency), Nachtröpfeln sind dem Komplex des gutartigen Prostatasyndroms zuzuordnen. Interessanterweise haben nur ca. 26% derMänner über 50 Jahre eine Prostatavergrößerung, jedoch über 40% der über 50-jährigen leiden an den sogenannten Symptomen des unteren Harntrakts (s.o.), also nicht an einer Vergrößerung der Prostata. Ca. 70% der Männer mit diesen Symptomen gehen aber nicht zum Urologen und sind bereit, diese Beschwerden zu ertragen. Angst oder mangelndes Gesundheitsbewußtsein? In der Ursache dieser Situation sind sicherlich beide Aspekte relevant. Nach wie vor ist der Besuch beim Urologen auch in der jungen Generation oft mit Ängsten verbunden, die zwar rückblickend auf die Anfänge der Urologie in den 70er-Jahren verständlich, aber heute unbegründet sind. Die Untersuchungen sind heute schmerzfrei durchführbar, und bei Bedarf werden moderne Betäubungsmittel und Verfahren zusätzlich eingesetzt.

So lassen sich auch die Symptome des gutartigen Prostatasyndroms und auch die gutartige Vergrößerung selbst sehr gut diagnostizieren und behandeln:
Eine Vorsorgeuntersuchung beim Urologen beinhaltet neben dem ausführlichen Erstgespräch die körperliche Untersuchung des Bauches, des Genitales und die bekannte rektale Tastuntersuchung der Prostata, die über den Enddarm sehr gut zugänglich ist. Als weitere Untersuchungen gehören die Urinuntersuchung (Ausschluß von Infekten), die Bestimmung des PSA-Wertes und der Nierenwerte (Bluttest) und die Sonografie der Nieren und Blase dazu. Mittlerweile Standard ist auch der transrektale Ultraschall der Prostata über den Enddarm, der eine sehr genaue und detailierte Beurteilung, vor allem der Drüsengröße zuläßt. Eine Harnstrahlmessung (Uro-Flow) mit anschließender Restharnbestimmung ermittelt die Strahlstärke. In Zusammenschau der erhobenen Befunde kann dann eine Strategie vom Urologen festgelegt werden, um die Symptome oder die vergrößerte Drüse nachhaltig zu behandeln. Diese Untersuchungstechniken sind, wie obern erwähnt, völlig schmerzfrei durchführbar und stellen keine Belastung für den Menschen dar.

Als Therapie, abhängig von der Stärke der Beschwerden haben sich vor allem im Anfangsstadium der Erkrankung auch pflanzliche Medikamente bewährt: Kürbiskerne, Sägepalmenfrucht-Extrakte und Phytosterole (pflanzliches Cholesterol). Weitere Vertreter sind Roggenpollenextrakte, Brennesselwurzel und Kombinationen. Wichtig bei der Behandlung des Prostatasyndroms ist die regelmäßige Kontrolle des Patienten, denn auch allopathische Medikamente wie z.B. so genannte alpha-Blocker, können wie die pflanzlichen Medikamente ein Fortschreiten der Erkrankung verdecken. Eine eindeutige Reduktion der Drüsengröße kann derzeit nur von einer Medikamentengruppe erzielt werden, den Finasteriden, die in den Hormonstoffwechsel der Prostata eingreifen und dadurch die Prostata verkleinern. Dieses Medikament wirkt aber erst ab einer Prostatagröße von 40ml (Normal bis 25ml). Bei Veränderungen an Blase und möglicherweise Nieren sowie einer Verlegung der Harnwege (Obstruktion) durch die Prostata ist nach Ausbleiben eines Erfolgs bei der medikamentösen Therapie eine Operation der Prostata indiziert. Neben verschieden Laser-Verfahren, die teilweise heute etabliert sind, ist die „Hobelung“ (transurethrale Resektion, TUR) der Prostata durch die Harnröhre nach wie vor der Standard, an dem sich alle modernen Verfahren messen müssen. Dieses Verfahren bietet derzeit die besten Behandlungsergebnisse.

Insgesamt ist aber die Prävention des Prostatasyndroms als wichtigster Aspekt zu betonen. Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßiger Ausdauersport zur Harmonisierung des Hormonstoffwechsels, Fuss- Knie- und Schenkelgüsse (Kneipp hat definitv seinen Stellenwert in der Urologie) können dazu beitragen, dass das Syndrom nicht entsteht. Vor allem aber ist es sinnvoll, ab dem 50. Lebensjahr hier eine jährliche Vorsorgeuntersuchung beim Urologen durchführen zu lassen, um vor allem auch bei bereits bestehender Symptomatik das Fortschreiten eines beginnenden Prostatasyndroms zu vermeiden. Was wir heute an Zeit nicht in unsere Gesundheit investieren, liebe Leserin und lieber Leser, das werden wir später in unsere Krankheit investieren. Schon Sebastian Kneipp, der Wasserdoktor hat den Stellenwert eines ausgewogenen Lebensstils erkannt und vor über 150 Jahren die 5 Säulen der Gesundheit entwickelt, die auch heute noch Bestand haben, gerade auch in der Urologie! Prävention macht Spaß, und verhindert Schmerzen. Vielleicht statten Sie dann einmal Ihrem Urologen einen Besuch ab, denn dem Gesunden tut(s) nicht(s) weh.

(Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Herrn Dr. Michael Blessing, Urologe und Männerarzt in Bad Wörishofen.)

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