Herzklappenerkrankungen
Welche Herzklappenfehler gibt es?
►Schlussunfähigkeit (Insuffizienz)
►Verengung (Stenose)
►Kombination von Einengung und Schlussunfähigkeit
Wie bekommt man einen Herzklappenfehler?
►selten angeboren: nur etwa 1%
►meist erworben durch:
- altersbedingte Abnutzung (heute am häufigsten)
- rheumatisches Fieber
- infektiöse Endokarditis
- Herzkrankheiten (z.B. Herzinfarkt, Hochdruckherz)
Häufigste Fehler
►Aortenklappenstenose: Verengung der Aortenklappe
– dritthäufigste Herzerkrankung nach Bluthochdruck und koronarer Herzkrankheit
– meist verursacht durch Degeneration der Klappe
– 3–5 % der über 75-Jährigen haben eine Aortenstenose
►Mitralklappeninsuffizienz: Undichtigkeit der Mitralklappe
Welche Beschwerden machen Herzklappenfehler?
►eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit
►Kurzatmigkeit bei Belastung
►rascher Herzschlag unter Belastung
►Brustenge
►Herzrhythmusstörungen
►Schwindel bis hin zu Bewusstlosigkeit
►Schwellungen der Beine bis zum Bauchraum (Oedeme)
Wenn die Leistungsfähigkeit abnimmt, sollte man es nicht auf das Alter oder die Bronchien schieben, sondern den Arzt aufsuchen, um die Ursache der Leistungsminderung zu finden.
Wie stellt der Arzt die Diagnose ?
►Befragung des Patienten nach Beschwerden
►körperliche Untersuchung: Herzgeräusch? Stolperherz? Ödeme?
►technische Untersuchungen:
- Elektrokardiogramm (EKG)
- Ultraschalluntersuchung (Echokardiographie), am wichtigsten!
- Herzkatheteruntersuchung
Wie entwickeln sich Herzklappenfehler?
►in der Regel langsam fortschreitend
►manchmal über Jahre stabil
►plötzlich dramatische Verschlechterung z.B. bei Mitralinsuffizienz durch Sehnenfadenabriss oder Klappenzerstörung bei infektiöser Endokarditis (Klappenentzündung)
Bei bekanntem Herzklappenfehler:
►jährliche Kontrolle
►wenn Beschwerden neu, zunehmend oder heftiger auftreten, gleich zum Arzt
Achtung: Endokarditis!
►Alle Patienten mit Herzklappenfehler haben ein erhöhtes Risiko für eine bakterielle Infektion: Endokarditis – eine lebensbedrohende Erkrankung.
►Frühzeitige Erkennung und Behandlung rettet Leben und Gesundheit.
►Seit 2007: Keine Endokarditis-Prophylaxe für Patienten mit Herzklappenfehler z. B. Aortenstenose, Aorteninsuffizienz, Mitralstenose, Mitralinsuffizienz.
►Aber unabdingbar: Endokarditis-Prophylaxe nach biologischem oder mechanischem Herzklappenersatz.
Therapie der Herzklappenerkrankungen
Helfen Medikamente?
Medikamente bessern die Beschwerden, können aber den Klappenfehler nicht beseitigen.
Das kann nur ein Eingriff an der Herzklappe.
Operationen (Eingriffe)
Beseitigung eines Herzklappenfehlers nur durch einen Eingriff möglich:
►Wiederherstellung der erkrankten Klappe (z.B.: Mitralklappen-Rekonstruktion)
►Klappen-Ersatz
►„Sprengung“ einer verengten Klappe
►neue Katheterverfahren zum Einsetzen einer Herzklappe
Wann operieren?
►Früher operierte man erst bei starken Beschwerden, dann war das Herz meist schon schwer geschädigt.
►Heute operiert man frühzeitig, auch wenn der Patient nur geringe oder gar keine Beschwerden hat, damit eine Schädigung des Herzens vermieden wird.
Das Langzeitergebnis hängt davon ab, ob rechtzeitig operiert wurde. Rückbilden können sich:
►Verdickung der Herzwand (Linksherzhypertrophie)
►leichte Vergrößerung der linken Herzkammer
Gibt es eine Altersgrenze für die Operation?
►Das Operationsrisiko ist im Alter erhöht.
►Entscheidend sind Begleiterkrankungen sowie die körperliche und geistige Vitalität
►und die Entscheidung des Patienten.
Operationsmöglichkeiten
►Herzklappenrekonstruktion (vorwiegend bei Mitralinsuffizienz möglich)
►Herzklappenersatz durch
►mechanische Herzklappe aus speziellem Kunststoff
Vorteil: unbegrenzte Haltbarkeit
Nachteil: lebenslange Gerinnungshemmung notwendig
►oder biologische Herzklappen
- Homograft (menschliche Herzklappen aus Spenderherzen)
- Bioprothesen aus Schweineklappen oder Rinderherzbeuteln
Vorteil: auf Dauer keine Gerinnungshemmung nötig
Nachteil: begrenzte Haltbarkeit – je jünger der Patient, desto schneller die Degeneration der Klappe. Normalerweise erst Bio-Klappe ab dem 60.-65. Lebensjahr.
►Tendenz: zunehmend häufigere Verwendung biologischer Klappen
Neue Katheterverfahren beim Klappenersatz (Aortenklappenstenose)
►Für alte und schwerkranke Patienten mit sehr hohem Operationsrisiko
►2 Verfahren mit Hilfe von Kathetertechnik und einer zusammenfaltbaren Herzklappe
- transfemorales Katheterverfahren: Der Katheter wird über die große Leistenschlagader geführt.
- transapikales Katheterverfahren: Der Katheter wird über die Herzspitze geführt über einen Hautschnitt zwischen 5. + 6. Rippe.
Nach dem Herzklappenersatz – wie geht es weiter?
- deutlich langsamere Erholung als nach der Bypass-Operation
- Belastbarkeit anfangs oft nur gering
Unabdingbar:
►Jeder Patient mit Herzklappenersatz – biologisch oder mechanisch – braucht eine Endokarditis-Prophylaxe.
►Bei fieberhaften, bakteriellen Infekten und bestimmten Eingriffen müssen Antibiotika eingenommen werden, um der gefährlichen Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut) vorzubeugen.
►Jeder Patient mit mechanischem Herzklappenersatz braucht Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen.
Gerinnungshemmung muss genau überwacht werden
►Überdosierung führt zu Blutungen.
►Unterdosierung schützt nicht ausreichend vor Gerinnselbildung.
►Kontrolle des INR-Werts alle 1 - 2 Wochen beim Arzt oder
►Selbstkontrolle des Gerinnungswerts
Liste der Schulungszentren bei der Deutschen Herzstiftung erhältlich, u.a. Klinik Bad Wörishofen
Kontrolluntersuchungen nach Klappenersatz
►Regelmäßige ärztliche (kardiologische) Kontrollen sind notwendig:
►unmittelbar nach dem Eingriff, nach 3 Monaten, nach 6 Monaten, nach 1 Jahr
►dann jährlich
Wie soll man als „Klappen-Patient“ leben?
►nicht rauchen
►abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung, Mittelmeerküche mit viel Obst,
Gemüse und Salat, Hülsenfrüchten, eher Fisch statt Fleisch, Oliven-, Rapsöl
►kein Übergewicht
►regelmäßige Ausdauerbewegung 5 × 30 Minuten in der Woche erhöht Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden
Der Text wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Prof. Dr. med. Jens Wagner, Chefarzt der Klinik Bad Wörishofen, in Zusammenarbeit mit der Deutschen Herzstiftung. Die Klinik Bad Wörishofen beteiligt sich regelmäßig an Fortbildungsveranstaltungen für die Deutsche Herzstiftung.
Link zur Deutschen Herzstiftung: herzstiftung
In der Klinik Bad Wörishofen wird eine moderne Rehabilitation nach Herzklappen-operationen durchgeführt. In der Privatambulanz von Prof. Dr. med. Jens Wagner werden Patienten mit Klappen-Problemen betreut und die Nachsorge organisiert.
Link zu Prof. Dr. med. Jens Wagner
Link zur Homepage der Klinik Bad Wörishofen










