Herzrhythmusstörungen
Was ist ein normaler Puls?
►normal: 60 - 100 Schläge/Minute
►unter Belastung: bis zu 160 Schläge/Minute
►untere Grenze: etwa 40 Schläge/Minute – Ausnahme Leistungssportler
Der Herzschrittmacher
Wann wird ein Herzschrittmacher eingesetzt?
► Bei krankhaft langsamen Herzschlägen
• unter 40 Schläge/Minute
• Pausen über 5 Sekunden
► Wenn der langsame Herzrhythmus Beschwerden macht
• Schwindelgefühl
• kurzfristige Bewusstlosigkeit
Bestandteile eines Herzschrittmachers:
1) Sonden = isolierte Kabel mit Elektroden an den Spitzen
2) Schrittmacheraggregat
Schrittmachertypen:
► Einkammer-Schrittmacher (1 Sonde in der Spitze der rechten Herzkammer)
► Zweikammer-Schrittmacher ist an 2 Sonden angeschlossen:
• eine im rechten Vorhof
• eine in der rechten Herzkammer
► Biventrikulärer Schrittmacher:
• Neue Schrittmachertherapie bei Herzschwäche
• Der biventrikuläre Schrittmacher kann die Muskulatur der linken Herzkammer dazu bringen, sich gleichzeitig zusammenzuziehen und dadurch die Auswurfleistung zu verbessern.
Schrittmachertypen:
► Einkammer-Schrittmacher (1 Sonde in der Spitze der rechten Herzkammer)
► Zweikammer-Schrittmacher ist an 2 Sonden angeschlossen:
• eine im rechten Vorhof
• eine in der rechten Herzkammer
► Biventrikulärer Schrittmacher:
• Neue Schrittmachertherapie bei Herzschwäche
• Der biventrikuläre Schrittmacher kann die Muskulatur der linken Herzkammer dazu bringen, sich gleichzeitig zusammenzuziehen und dadurch die Auswurfleistung zu verbessern.
Das Stolperherz: Extrasystolen
Mögliche Beschwerden beim Stolperherz:
► Herzklopfen
► Kurzatmigkeit
► Schwitzen
► Brustbeschwerden, Druckgefühl
► Angstgefühl
► Schwindelgefühl
► Verstärktes Wasserlassen
► Häufig auch keine Beschwerden
Mögliche Ursachen des Stolperherzens:
► Seelische Einflüsse: Stress, Aufregung, Freude, Angst, Nervosität
► Herzkrankheiten: Einengung der Herzkranzgefäße, Herzinfarkt, Herzklappenfehler, Herzmuskelerkrankungen, Linksherzhypertrophie durch hohen Blutdruck
► Schilddrüsenüberfunktion
► Unfälle, Operationen
► Elektrolytstörungen: Kaliummangel, Magnesiummangel
► Medikamentenüberdosierung z. B. Digitalis
► Nebenwirkungen verschiedener Arzneimittel
► Genussgifte: Alkohol, Koffein, Nikotin
► Häufig keine Ursache zu finden
Diagnostik bei Stolperherz:
► Genaue Kenntnis der Beschwerden
► Ruhe-EKG
► Belastungs-EKG
► 24-Stunden-Langzeit-EKG
► Evtl. weitergehende Herzdiagnostik, z. B. Herzkatheteruntersuchung
Behandlung des Stolperherzens:
Keine Behandlung:
Bei Extraschlägen ohne zugrundeliegender Erkrankung
Behandlung erforderlich:
Beim Vorliegen einer Erkrankung muss das Grundleiden behandelt werden z. B. koronare Herzkrankheit, Schilddrüsenerkrankung, Bluthochdruck etc.
In vielen Fällen ist es besser, mit „leichtem Herzstolpern” unbehandelt zu leben, als Rhythmusmedikamente dagegen einzunehmen. In hartnäckigen Fällen oder bei schweren Störungen kann im Einzelfall nicht auf Rhythmusmedikamente verzichtet werden. Aber: Rhythmusmedikamente nicht leichtfertig einnehmen. Ein kritischer, vorsichtiger Umgang mit Rhythmusmedikamenten ist wichtig wegen möglicher Nebenwirkungen
Vorhofflimmern
Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Ca. 1 Million Menschen in Deutschland leiden an Vorhofflimmern.
Das Risiko steigt mit dem Lebensalter:
unter 50 Jahre: < 1%
über 60-80 Jahre: 4% - 6%
über 80 Jahre: 9% - 16%
Definition:
Vorhofflimmern heißt in der Fachsprache Arrhythmia absoluta, das vollständig arrhythmische Herz. In den Herzvorhöfen kreisen elektrische Erregungswellen, die zu einer Vorhoffrequenz bis zu 350 Schläge/Minute führen. Der AV-Knoten sorgt dafür, dass nur ein Teil dieser Impulse zu den Herzkammern gelangt. Dadurch entsteht eine ungeordnete chaotische Herzschlagfolge mit bis zu 160 Schläge/Minute oder mehr (Arrhythmia absoluta). In einzelnen Fällen kann die Herzfrequenz auch zu niedrig werden und zu einer Bradyarrhythmia absoluta werden.
Beschwerden bei Vorhofflimmern:
► Herzrasen, Herzstolpern (oft das einzige Symptom bei jungen Patienten)
► Einschränkung der Leistungsfähigkeit
► Atemnot
► Schwindel
► Brustschmerzen
► Bei vielen Patienten tritt Vorhofflimmern ohne Beschwerden auf und wird zufällig oder nur durch die Komplikationen, die es verursacht – im schlimmsten Fall Schlaganfall – entdeckt
Warum muss Vorhofflimmern behandelt werden?
Vorhofflimmern ist an sich nicht lebensbedrohlich, kann aber schwerwiegende Folgen haben
► Größte Gefahr: Schlaganfall
► Herzschwäche: Das Herz kann durch die hohe Pulsfrequenz akut oder auf Dauer schwer geschädigt werden.
Ursachen des Vorhofflimmerns:
► Hoher Blutdruck (40% der Patienten)
► Koronare Herzkrankheit
► Herzklappenerkrankungen
► Dilatative und hypertrophe Kardiomyopathie
► Myokarditis (Herzmuskelentzündung)
► Überfunktion der Schilddrüse
► Schwere Allgemeininfektionen
► Nach operativen Eingriffen
► Bei 10% der Patienten finden sich keine Ursachen (lone atrial fibrillation)
Auslöser des Vorhofflimmerns:
► Alkohol (holiday-heart-syndrome)
► Schlafmangel
► Emotionaler Stress
► Koffein
► Opulente Mahlzeiten
Therapie des Vorhofflimmerns:
Die beste Strategie ist die Behandlung der Grundkrankheit:
► Bluthochdruck
► Koronare Herzkrankheit
► Klappenerkrankungen
► Kardiomyopathie
► Übergewicht sollte abgebaut werden, da es das Risiko für Vorhofflimmern erhöht
Darüber hinaus stehen verschiedene Therapien zur Verfügung:
► Medikamente gegen Vorhofflimmern
► Nicht-medikamentöse Verfahren (Katheterablation, AV-Knotenablation)
► Operative Verfahren (im Rahmen von Herz-Operationen)
Besonders wichtig:
Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten, um dem Schlaganfall vorzubeugen. Zur Verhinderung von Schlaganfällen stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung:
► ASS hemmt die Verklumpung der Blutplättchen
► Marcumar hemmt die Bildung von Gerinnungsfaktoren; es greift tiefer in die Blutgerinnung ein als ASS
► Patienten müssen genau eingestellt werden. Zu schwache Gerinnungshemmung bietet keinen ausreichenden Schutz vor Gerinnselbildung, zu starke bedeutet erhöhte Blutungsgefahr.
► Die Wahl des Medikamentes hängt davon ob, wie groß die Gefahr für einen Schlaganfall ist. Bei hohem Schlaganfallrisiko: Marcumar.
Das Risiko einen Schlaganfall zu erleiden, ist bei den einzelnen Patienten unterschiedlich!
Faktoren, die mit einem hohen Risiko verbunden sind:
► Schlaganfall oder Embolien in der Vorgeschichte
► Mitralstenose (Verengung der Mitralklappe)
► Künstliche Herzklappen
Faktoren, die mit einem mittleren Risiko verbunden sind:
► Alter: 75 Jahre und darüber
► Bluthochdruck
► Herzschwäche mit einer Auswurffraktion der linken Herzkammer unter 35%
► Diabetes
Faktoren, die mit einem niedrigen Risiko verbunden sind:
► Alter: < 65 Jahre
Vorhofflimmern: Empfehlungen zur Gerinnungshemmung:
INR-Wert von 1 keine Gerinnungshemmung
INR-Wert von 2 Gerinnungszeit ist auf das 2-fache verlängert
INR-Wert von 3 Gerinnungszeit ist auf das 3-fache verlängert
Den Ziel-INR-Wert legt der behandelnde Arzt fest und trägt ihn in den Marcumar-Ausweis ein. Er liegt meist bei INR 2.0-3.0, kann aber auch höher liegen.
Vorhofflattern
Was ist Vorhofflattern?
Beim Vorhofflattern hat der Sinusknoten – zumindest zeitweilig – seine normale Funktion als Taktgeber verloren. Kreisende Erregungen im rechten Vorhof führen dort zu 240 bis 340 Schlägen/Minute. Häufig wird nur jede 2. Vorhoferregung auf die Kammer übergeleitet. Daraus resultiert eine Herzfrequenz von 120 bis 170 Schlägen/Minute.
► Intermittierendes Vorhofflattern geht von allein zu Ende
► Persistierendes Vorhofflattern tritt in anhaltender Form auf
Beschwerden bei Vorhofflattern:
► Herzklopfen
► Innere Unruhe
► Herzjagen
► Luftnot
► Schnellere Ermüdbarkeit
► Körperliche Schwäche
Gefahren bei Vorhofflattern:
► Verringerte Herzleistung
► Emboliegefahr, daher Gerinnungshemmung notwendig wie bei Vorhofflimmern
Vorbeugen der Anfälle:
► Durch Medikamente (Betablocker oder Antiarrhythmika), häufig wenig effektiv
► Durch Verödung mit Katheterablation – heute Standardtherapie (Erfolgsquote 95%)
Lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen
Jedes Jahr erleiden mehr als 100 000 Menschen in Deutschland einen plötzlichen Herztod.
Etwa alle fünf Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch plötzlich und unerwartet. In etwa 80% der Fälle wird der Herz-Kreislauf-Stillstand durch eine sehr schnelle Herzrhythmusstörung (Kammertachykardie, Kammerflattern, Kammerflimmern) hervorgerufen.
Welche Herzrhythmusstörungen sind lebensbedrohlich?
Regelmäßige oder unregelmäßige Erregungen, die von den Herzkammern ausgehen. (Kammertachykardien) mit Herzfrequenzen von 150 - 250 Schläge/Minute. Diese können in Kammerflimmern übergehen.
Ursachen:
►Erkrankungen des Herzens, z. B. Durchblutungsstörungen, Herzinfarkt, Erkrankung des Herzmuskels. 80% der Patienten mit lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen haben eine koronare Herzerkrankung.
Seltener:
► Herzfehler, Ionenkanalerkrankungen, atypische Leitungsbahnen
► Störungen der Schilddrüsenfunktion, des Elektrolythaushaltes (Kalium, Magnesium)
► Starker Alkoholkonsum, Sauerstoffmangel, bestimmte Medikamente
Sofortmaßnahmen:
In der Akut-Situation: Schnelles Handeln ist lebensrettend!
Leben retten kann man lernen. Das Vorgehen ist relativ einfach, aber es muss in
Herz-Lungen-Wiederbelebungs-Kursen gelernt und geübt werden.
Langfristige Behandlung von lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen:
► Behandlung der Grunderkrankung (z. B. koronare Herzkrankheit) durch optimale Einstellung mit Medikamenten und durch nichtmedikamentöse Therapie z. B. Ballonaufdehnungen, Einsetzen eines Stents oder herzchirurgische Maßnahmen.
► Einsetzen eines vollautomatischen Elektroschockgeräts (Defibrillator): eine gefährliche Rhythmusstörung wird sofort erkannt und zuverlässig beseitigt.
► Rhythmusmedikamente sind häufig nicht wirksam und führen nicht selten zur Zunahme der Rhythmusstörung oder Herzstillstand.
► Eine Katheterablation kommt nur für bestimmte Patienten infrage.
Schutz vor dem plötzlichen Herztod: der Defibrillator (ICD)
► überwacht den Herzrhythmus kontinuierlich,
► gibt – wenn er eine gefährliche Herzrhythmusstörung erkennt – einen Stromimpuls ab, der den normalen Herzrhythmus wiederherstellt
Der Defibrillator besteht aus einem Elektrodensystem, über das gefährliche Herzrhythmusstörungen erkannt werden, sowie einem Generator, der in der Lage ist, die Spannung aufzubauen, die zur Schockabgabe gebraucht wird. Diese wird über die Elektroden an das Herz abgegeben.
Einbau des Defibrillators:
► Herzchirurgen/Kardiologen
► Vollnarkose nicht nötig
► Kurzzeitnarkose, wenn Stärke des Elektroschocks bestimmt wird
► Stationärer Aufenthalt, i. d. R. zwischen 2 und 4 Tagen
► Vor Entlassung: Kontrolle und Feineinstellung des Defibrillators
Der Patient mit Defibrillator sollte die Klinik aufsuchen:
► nach der ersten Schockabgabe,
► wenn sich der Patient nach einer Schockabgabe nicht wohl fühlt und
► wenn die Schockabgaben sich häufen
► Engmaschige Kontrolle alle 3 bis 6 Monate
Der Text wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Prof. Dr. med. Jens Wagner, Chefarzt der Klinik Bad Wörishofen, in Zusammenarbeit mit der Deutschen Herzstiftung. Die Klinik Bad Wörishofen beteiligt sich regelmäßig an Fortbildungsveranstaltungen für die Deutsche Herzstiftung.
Link zur Deutschen Herzstiftung: herzstiftung
In der Klinik Bad Wörishofen wird eine moderne Therapie der Herzrhythmusstörungen durchgeführt. Es können alle gängigen Schrittmacher- und Defi-Systeme abgefragt und umprogrammiert werden. Die Herzsportgruppe der Klinik Bad Wörishofen ist auf Patienten mit Herzschwäche spezialisiert.
Link zu Prof. Dr. med. Jens Wagner Prof. Dr. med. Jens Wagner
Link zur Homepage der Klink Bad Woerishofen








