Kinderophthalmologie
Um Sehfehler und Schielerkrankungen frühzeitig zu erkennen, sollten Kinder — sofern nicht früher Auffälligkeiten festgestellt werden — erstmals mit 9-12 Lebensmonaten und dann jährlich augenärztlich untersucht werden. Diese Untersuchung umfasst eine Prüfung der Sehschärfe, der Augenstellung und Augenbeweglichkeit und eine Analyse der beidäugigen Zusammenarbeit. Außerdem wird mit verschiedenen Methoden die Augenbrechkraft gemessen (Messung der Fehlsichtigkeit) und die Augen werden auf organische Erkrankungen hin untersucht. Eine sorgfältige Abklärung erfordert immer auch eine Pupillenerweiterung mit Augentropfen. Fehlsichtigkeiten und Schielstellungen der Augen, aber auch Augenkrankheiten wie angeborene Linsentrübungen können zu einer bleibenden Sehschwäche (Amblyopie) führen. Bei den behandlungsbedürftigen Fehlsichtigkeiten handelt es sich meist um höhere Weitsichtigkeiten und Stabsichtigkeiten. Die Gefahr einer Amblyopie ist besonders groß, wenn rechtes und linkes Auge unterschiedliche Fehlsichtigkeiten haben.
Die Prüfung der Sehschärfe erfolgt je nach Alter und Mitarbeit des Kindes mit verschiedenen Testverfahren. Wichtig ist die Brechkraftbestimmung der Augen, da auch bei beidseits guter altersentsprechender Sehschärfe eine korrekturbedürftige Fehlsichtigkeit vorliegen kann. Höhere Übersichtigkeiten, Stabsichtigkeiten und insbesondere Brechkraft-Seitenunterschiede müssen konsequent durch das Tragen einer kindgerechten Brille behandelt werden. Auch für kleine Kinder gibt es heute modische Brillengestelle, die eine uneingeschränkte natürliche Beweglichkeit des Kindes ermöglichen. Insbesondere bei größeren Seitenunterschieden muß ggf. das bessere Auge stundenweise zugeklebt werden (Okklusionsbehandlung), um das schlechtere Auge zu trainieren.
Da Kinder sehr schnell wachsen, ändern sich auch die Augen und insbesondere die Augenbrechkraft oft schnell; deswegen müssen die Untersuchungen regelmäßig wiederholt werden. Auch die Brillenwerte müssen ggf. kurzfristig neu bestimmt werden.
Schielen: Eine erfolgreiche Behandlung eines Stellungsfehlers eines Auges ist in jedem Lebensalter möglich, die Schwachsichtigkeit kann aber meist nur bis etwa zum Grundschulalter erfolgreich behandelt werden. Wegen dieser begrenzten Zeitspanne für die Amblyopiebehandlung ist ein möglichst frühzeitiger Beginn der Therapie sinnvoll und erforderlich. Schielstellungen werden fast immer damit behandelt, dass das Agute« Auge stundenweise zugeklebt wird. So lässt sich meist die Sehschärfe des schielenden Auges deutlich verbessern. Die Schielstellung der Augen lässt sich zu einem späteren Zeitpunkt dann ggf. durch eine Schieloperation bessern. Fehlsichtigkeiten und Schielen bei Kindern müssen regelmäßig überprüft werden. Die augenärztlich-orthoptische Betreuung erstreckt sich meist bis zum 12. Lebensjahr des Kindes. Dann gilt die Entwicklung der Sehstrukturen im Gehirn als abgeschlossen, die Ausbildung einer Schwachsichtigkeit ist nach diesem Zeitpunkt äußerst unwahrscheinlich.
(Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Dr. Ulrike Kottler, Augenärztin in Bad Wörishofen)