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mit Bädern heilen

Mit Bädern heilen

Mit Wasser heilen - diese Vorstellung war bereits den Menschen der Antike vertraut. Schließlich gehört Wasser neben Feuer, Erde und Luft zu den vier Grundelementen der Welt und wurde über Jahrtausende als Lebensspender mythologisch verehrt. Namentlich das antike Rom kultivierte das Baden nicht nur aus Gründen der Körperpflege, Erholung oder Entspannung, sondern schrieb
ihm auch eine heilende Wirkung zu.

Bäder

Welchen hohen Stellenwert die Badekultur bei den Römern besaß, lässt sich bis heute an imposanten Thermen zum Beispiel in Trier erkennen.

Die Tradition vieler mitteleuropäischer Kurorte reicht entsprechend bis in die ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung zurück, als diese Orte noch unter römischer Verwaltung standen.

Ausgehend vom lateinischen Wortstamm ‘balneum’, bezeichnen Mediziner die Behandlung mit oder durch Bäder als Balneotherapie und die medizinische Lehre, die sich damit beschäftigt, als Balneologie. So haben Bäder in der Krankenpflege ebenso einen festen Platz wie in der Physikalischen Therapie und in der Krankengymnastik. Im engeren Sinne bezeichnet Balneotherapie die Behandlung mit natürlich vorkommenden oder technisch erschlossenen Heilquellen, deren Wasser die als heilend angesehenen, zumeist mineralischen Stoffe aufweist. Im Gegensatz zur im vorherigen Kapitel erläuterten Hydrotherapie ist die Balneotherapie daher an bestimmte geologische Voraussetzungen gebunden und der wichtigste Bestandteil der kurörtlichen Therapie.

In Heilwasser wird gebadet, es wird getrunken und gelegentlich auch in speziellen Inhalatorien oder Salinen des Kurorts inhaliert.

Neben Heilwasser wird mancherorts auch Heilgas, zum Beispiel Radon oder Kohlendioxid sowie eine Moorkur, Fango- und Schlickpackungen oder -bäder therapeutisch genutzt. Die Wirkung der Balneotherapie beruht aber nicht allein auf natürlichen Heilmitteln, sondern auch auf dem günstigen Klima eines Kurortes. Nicht umsonst dürfen nur Kurorte die Zusatzbezeichnung
‘Bad’ tragen, die nachweisen können, dass sie definierte klimatische Bedingungen und
Vorgaben zur Luftreinheit erfüllen. Ganz grob lassen sich die Klimate der Kurorte in Küsten- oder Seeklima, Mittelgebirgs und Hochgebirgsklima einteilen.

Die klimabezogenen Therapieangebote umfassen Freiluftliegekuren, Luft- und Sonnenbäder sowie Terrainkuren - eine Bewegungstherapie im Freien. Ein typisches Beispiel ist die Thalassotherapie oder Meeresheilkunde. Hier werden Elemente der Balneotherapie - in diesem Fall mit Salzwasser-,
der Klimatherapie, der Bewegungstherapie und der Heliotherapie kombiniert. Im erweiterten
Sinne umfasst die Balneotherapie auch Bäder mit pflanzlichen Zusätzen oder mit künstlich hinzugefügten Stoffen und Gasen. Dazu gehören Moorextrakte, die Schwefelung von Wasser oder die Beigabe technisch erzeugter Kohlensäure.

Heilwasser

Heilwasser

Ein anerkanntes Heil-Mineralwasser muss pro Liter mindestens ein Gramm gelöste Mineralien bzw. Kohlensäure enthalten. Als Therme gilt eine Quelle, wenn ihr Wasser an der Austrittsstelle
das ganze Jahr über mindestens 20°C warm ist. Häufig erfüllen Heilwässer mehrere geforderte Eigenschaften gleichzeitig, man spricht dann etwa von einem Eisen-Säuerling oder einer
Schwefeltherme. Die vielen Kombinationsmöglichkeiten bringen es mit sich, dass die Wirkungen der Quellen außerordentlich vielfältig und komplex sind. Die naturwissenschaftliche Analyse
ihrer Wirkmechanismen steht erst am Anfang, viele Behandlungen beruhen überwiegend auf zum Teil jahrhundertelanger Erfahrung.

Entspannung
Genießend genesen: Mit Badekuren werden u.a. Beschwerden des Bewegungsapparates oder der Atemwege nachhaltig kuriert. Eine wohltuende Entspannung gibt es gleich mit dazu.

Die moderne Balneotherapie beurteilt und klassifiziert die Wirkung von Heilquellen nach ihren Inhaltsstoffen. So haben Mediziner bereits Anfang des 20. Jahrhunderts für verschiedene Heilwässer Mindestgehalte an natürlich auftretenden Zusatzstoffen festgelegt.

Die einfachste Vorstellung über die Wirkung der Balneotherapie geht von einem unspezifischen, also allgemein auf den Organismus wirkenden positiven Reiz aus. Hinzu kommt die besondere Situation und die Ruhe am Kurort fernab vom Berufs und Alltagsstress. Darüber hinaus lassen sich spezifische Wirkungen einzelner Inhaltsstoffe beschreiben:

• So fördern Kohlensäurebäder die Durchblutung der Haut und wirken sich günstig auf die Herzgefäße und die Regulation des Kreislaufs aus.

• Bei Schwefelbädern lassen sich positive biochemische Reaktionen in der Haut nachweisen, die die Körperabwehr beeinflussen können.

• Salz- und Solebäder verstärken über einen noch nicht genau bekannten Mechanismus die Wirkung von UV-Strahlung und können sich bei bestimmten Hauterkrankungen günstig auswirken. Zudem fördern sie die Sekretion und reinigen die Schleimhäute entlang der Atemwege und des Nasen-Rachenraumes.

• Ob die schwach radioaktive Strahlung von Radonbädern heilende Wirkung hat, wird noch diskutiert.

• Bei den so genannten Peloidbehandlungen mit Moor, Schlick und Fango wird der Wärmeeffekt, seltener der Kälteeffekt, therapeutisch genutzt.

Bäder

Insgesamt ist noch nicht abschließend geklärt, wie genau welche Behandlungen wirken. Möglicherweise gelangen beim Baden oder Inhalieren aufgenommene Inhaltsstoffe in den Blutkreislauf und können dort pharmakologisch wirken. Denkbar sind aber auch so genannte
reflektorische Wirkungen über die Haut. Besonders bei pflanzlichen Badezusätzen diskutiert man zudem olfaktorische Wirkungen, also Wirkungen über die Nasenschleimhaut und das Riechzentrum.

Bei Trinkkuren wird vor allem die abführende und „darmreinigende“ Wirkung von
Sulfatwässern genutzt, die Glauber- oder Bittersalz enthalten. Diese Wässer wirken sich positiv auf die Gallensekretion sowie auf verschiedene Verdauungsfunktionen und die Darmregulierung aus. Bikarbonatwässer, etwa Natrium-Bikarbonat, können bestimmte Harnsteinleiden und Harnwegsentzündungen günstig beeinflussen. Bei der Heliotherapie wird Sonnenlicht in schwachen Dosierungen genutzt, um die Immunabwehr zu stärken und verschiedene Regelvorgänge des vegetativen Nervensystems zu beeinflussen. Noch im frühen 20. Jahrhundert glaubte man, einem zum Wohnort transportierten Heilwasser könne die Wirkung - der ‘Brunnengeist’ - verloren gehen; ein Aberglaube, der natürlich nicht zu halten ist. Dennoch ist es aus guten Gründen sinnvoll, dass Gesunde und Kranke ‘zur Quelle’ reisen.
Schließlich umfasst das Kurangebot vor Ort neben dem Heilwasser eine Vielzahl von Behandlungen - von Physikalischer Therapie über diätetische oder sozialmedizinische
Beratung und psychologische Betreuung bis hin zu Kursen und Schulungen für ergänzende Behandlungstechniken wie dem autogenen Training. Hinzu kommt das entspannende Milieu, das sich positiv auf den Heilungsprozess auswirkt.

*Im Zuge der Gesundheitsreformen der letzten Jahre werden die Kosten für Kuren nur noch
nach bestimmten medizinischen Indikationen von den Krankenkassen übernommen.*(Informationen dazu geben Ärzte, Krankenversicherungen sowie Rentenversicherungsträger).

Viele Kurorte haben auf diese Entwicklung bereits reagiert und bieten ihren Besuchern
umfassende Kur- und medizinische Wellnessangebote zu attraktiven Konditionen an. Auf diese Weise lassen sich aktive Gesundheitsvorsorge und erholsamer Urlaub hervorragend miteinander verbinden.

Quelle:
Kurverwaltung Bad Wörishofen

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