Dass es gesund ist, sich regelmäßig zu bewegen, dürfte heute eigentlich jedem bekannt sein. Der Mensch ist keine Maschine, die sich im Lauf der Zeit abnutzt und länger hält, wenn man sie schont.
Das Gegenteil ist richtig.
Allein die Bequemlichkeit, den oft zitierten ‘inneren Schweinehund’, zu überwinden, das fällt vielen schwer. Dabei gibt es heutzutage eine Vielzahl an Sportarten, die gesunde Körperaktivität mit Freizeitspaß verbinden.
Aus diesem Grund lässt sich die Bewegungstherapie auch nicht ausschließlich der Naturheilkunde zuordnen. Doch selbstverständlich nutzen auch Naturheilkundler ihre gesundheitsfördernde Wirkung:
So verordnete schon Paracelsus einem kranken, reichen Mann einen mehrere hundert Kilometer langen Fußmarsch - mit großem Erfolg. Kneipp wiederum behandelte einen offensichtlich unter Bewegungsmangel leidenden Erzherzog, indem er ihn wie viele seiner Patienten einfach Holz hacken ließ. Heute zeigen zahlreiche internationale Studien der unterschiedlichsten Forschungsdisziplinen:
Ausreichende und ausgewogene körperliche Aktivität ist einer der besten Garanten für anhaltende Gesundheit. Sie bietet Schutz vor Zivilisationskrankheiten und wirkt deshalb
lebensverlängernd.
Regelmäßige körperliche Aktivität:
• stärkt die Leistungsfähigkeit der Muskulatur und unterstützt damit ihre Versorgung mit Sauerstoff;
• kräftigt die Festigkeit von Sehnen und Bändern, stabilisiert die Gelenke, verbessert die Beweglichkeit und hilft bei vielen orthopädischen und rheumatischen Erkrankungen;
• beugt entscheidend der Osteoporose bei Älteren vor (Abnahme der Knochenmasse, -struktur und funktion);
• steigert die Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislaufsystems und lässt es ökonomischer arbeiten;
• stabilisiert die Blutdruckregulation und trägt zur Normalisierung bei hohem und bei niedrigem Blutdruck bei;
• senkt das Herzinfarktrisiko, beugt der Arteriosklerose vor und verbessert die Durchblutung des Herzens;
• unterstützt die Gewichtsreduktion, wirkt günstig bei Diabetes und Fettstoffwechselstörungen;
• verbessert die Lungenfunktion z.B. bei Asthma;
• steigert ganz allgemein die körpereigenen Abwehrkräfte.
Weniger bekannt und belegt sind die Wirkungen körperlicher Aktivität auf die Körperabwehr.
Studien haben jedoch gezeigt, dass körperlich aktive Menschen seltener zu Infekten neigen als „Bewegungsmuffel“. Die Leistungsfähigkeit der Immunzellen nimmt durch körperliches Training beständig zu. Wohl aus diesem Grund erkranken körperlich aktive Menschen seltener an Krebs
als andere und leben statistisch länger und gesünder als unsportliche.
Bewegung als Hilfe bei Herzerkrankungen
Über die größte klinische Erfahrung verfügen Ärzte bei Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen, insbesondere bei Infarktpatienten. Noch vor einigen Jahrzehnten galt weltweit das Prinzip, Patienten nach einem Infarkt mindestens vier bis sechs Wochen lang körperlich zu schonen. Langsam erkannte man jedoch, dass die meisten Patienten sehr viel schneller genesen, wenn sie möglichst früh wieder körperlich aktiv werden. Aus dieser Erfahrung heraus entstanden Trainingsprogramme, wie sie heute in großen Rehabilitationskliniken üblich sind. Zudem gibt es über 3000 Herzgruppen, in denen das kontrollierte Training für Herzpatienten ambulant unter ärztlicher Leitung weitergeführt wird. Allerdings können sportliche Aktivitäten nahe an der Leistungsgrenze selbst kerngesunde Personen gesundheitlich schädigen. Deshalb dürfen schwerkranke Patienten nur wohldosiert, nach Ermittlung der persönlichen Belastbarkeit und unter strenger ärztlicher Kontrolle trainieren.
Der richtige Puls
Egal, welche Form der Bewegung oder welche Sportart Sie betreiben - Sie sollten immer auf Ihren Puls achten. Er ist nicht nur eine wichtige Messgröße dafür, ob man den Körper überfordert; er erlaubt auch die Kontrolle darüber, ob man das angestrebte Trainingsziel erreicht.
Den Puls fühlen Sie am besten an der Schlagader des Unterarms oder des Halses oder einfacher mit überall erhältlichen Pulsmessern in Uhrengröße.
Ein gesunder, körperlich gut trainierter Mensch kann mit zusätzlichen Trainingseffekten (z. B. im Leistungssport) rechnen, wenn er seinen Maximalpuls nach der Faustformel 220 minus Lebensalter berechnet. Ein 40-Jähriger sollte also sein Training so auslegen, dass er zu keiner Zeit auf mehr als 180 Schläge pro Minute kommt. Oberhalb dieses Bereiches kann es zu Sauerstoffmangel und zu verstärkter Milchsäurefreisetzung in der arbeitenden Muskulatur kommen.
Als optimalen Trainingspuls haben Sportmediziner den Bereich von 60 bis 75 Prozent des jeweiligen Maximalpulses ermittelt. Bei einem 40-Jährigen entspräche dies einer Frequenz von 108 bis 135 Herzschlägen pro Minute. Je nach Trainingsziel sollte man sich entweder am unteren oder am oberen Wert orientieren: Bei älteren Menschen ist die Trainingsherzfrequenz generell niedriger. Wer auf Leistungssteigerung Wert legt, sollte die Obergrenze anstreben.
Der optimale Fettabbau wird jedoch mit einer längerfristigen Belastung (mindestens 30 Minuten) erzielt, bei der der Puls die Untergrenze nicht unterschreiten soll. Die hier angegebenen Werte gelten nur für gesunde Menschen. Bei kranken Personen gelten geringere Werte, die für jeden Einzelfall von fachlicher Seite gesondert ermittelt werden müssen.
Vor Trainingsbeginn ist eine Belastungsuntersuchung beim Arzt ratsam – vor allem, wenn man über 50 ist.