Heilende Pflanzen
Pflanzenheilkunde oder Phytotherapie nennt sich jener Zweig der Naturheilkunde, der sich mit der gesundheitsfördernden Wirkung durch Heilpflanzen beschäftigt. Das Wissen um die heilende Kraft von Pflanzen ist Jahrtausende alt. Viele pflanzliche Wirkstoffe aus diesem reichen Erfahrungsschatz sind auch aus der Schulmedizin nicht mehr wegzudenken.
Im Sinne der Klassischen Naturheilkunde versteht man unter Phytotherapie die Behandlung
mit Pflanzen, Pflanzenteilen und den daraus hergestellten Zubereitungen. Dabei sollte das komplette, in der Pflanze vorhandene Substanzgemisch auch im Arzneimittel im Wesentlichen enthalten sein.
Nicht zu den Phytopharmaka zählen Zubereitungen aus Heilpflanzen, wie sie in der Homöopathie, der anthroposophischen Medizin oder bei der Bachschen Blütentherapie
eingesetzt werden, sowie Mischungen aus pflanzlichen und chemisch definierten Wirkstoffen oder einzelne pflanzliche Wirkstoffe. In dieser Broschüre werden vor allem sanft wirkende Heilpflanzen und ihre Anwendungsgebiete vorgestellt. Die Herstellung von Phytopharmaka ist
sehr vielfältig. Verwendet werden entweder die komplette Pflanze oder die Blüten, Blätter, Wurzeln, Früchte und Samen. Diese werden zu Frischpflanzensäften und Pflanzenauszügen
gepresst oder in getrockneter und pulverisierter Form zu Tabletten oder Tees weiterverarbeitet. Heilpflanzen werden außerdem zu Salben, Ölen und Badezusätzen für die äußerliche Anwendung sowie zu Inhalations- oder Riechmitteln verarbeitet. Dabei sind die Übergänge zwischen Heilmitteln und Pflege- bzw. kosmetischen Mitteln manchmal fließend
Thematisch passend: Heilpflanzen in der Kräuter Sauna nach Sebastian Kneipp
Heilpflanzentees
Die meisten Heilpflanzentees wirken erst, wenn sie über einige Wochen hinweg täglich in ausreichender Menge und geeigneter Dosierung getrunken werden. Darüber hinaus sollte man die folgenden Empfehlungen beachten:
- Heilpflanzentees kauft man entweder in der Apotheke oder man wählt entsprechend
renommierte Produkte.
- Bei losen Tees nimmt man normalerweise zwei Gramm Kräuter pro Tasse - das entspricht einem gehäuften Teelöffel.
- Ob man einen Tee mit sprudelnd kochendem oder nur leicht siedendem Wasser aufgießt und wie lange man ihn ziehen lässt, ist keine Frage des persönlichen Geschmacks. Beides hängt vielmehr von der Art der Kräuter und der gewünschten Wirkung ab. Auch hierüber
informiert der Apotheker oder ein Hinweis auf der Packung.
Selbstbehandlung mit Heilpflanzen
In der modernen Phytotherapie kommen heute überwiegend Arzneipflanzen mit sanfter Wirkung
und guter Verträglichkeit zum Einsatz. Allerdings können auch sorgfältig geprüfte Phytopharmaka bei zu sorglosem Umgang und zu langem Gebrauch Nebenwirkungen haben.
- Bei gravierenden oder erstmals auftretenden Krankheitssymptomen sollte stets zuerst eine
ärztliche Diagnose und Behandlungsempfehlung eingeholt werden.
- Grundsätzlich sollten auch rezeptfreie naturheilkundliche Arzneimittel nicht ohne ärztlichen Rat
über längere Zeiträume eingenommen werden.
- Bei der Selbstmedikamentation sollte regelmäßig beobachtet werden, ob das Heilmittel noch zu einer Steigerung des Wohlbefindens beiträgt oder schrittweise abgesetzt werden kann.
- Vor der Einnahme naturheilkundlicher Arzneimittel sollten auch andere naturheilkundliche
Verfahren wie z.B. der Hydro- oder der Bewegungstherapie angewendet werden.
- Bei industriell hergestellten oder in der Apotheke erhältlichen Phytopharmaka ist in der Regel eine Packungsbeilage beigefügt, die nicht nur über Anwendungsgebiete und die richtige Dosierung, sondern auch über Erkrankungen und Personen, bei denen das pflanzliche Arzneimittel nicht angewendet werden sollte (Gegenanzeigen), sowie ggf. über unerwünschte Wirkungen (Nebenwirkungen) informiert.
Heilpflanzen zur Selbstbehandlung
Pflanzliche Heilmittel sind hervorragend für die aktive Gesundheitsvorsorge im Alltag geeignet. Sie stärken die Selbstverantwortung des Verbrauchers und geben ihm die Möglichkeit, sich bei vielen leichten oder manchen chronischen Erkrankungen selbst zu behandeln, ohne jedes Mal einen Arzt aufsuchen zu müssen. Vor allem Heilpflanzentees eignen sich gut zur Selbstbehandlung, um Krankheiten vorzubeugen oder Alltagsbeschwerden zu lindern, da sie rezeptfrei erhältlich sind.
Bewährte Anwendungsgebiete der Phytotherapie:
Bei entzündlichen Atemwegserkrankungen, besonders bei trockenem, schmerzhaftem Reizhusten, werden so genannte Schleimdrogen wie Spitzwegerichkraut, Malvenblüten und -blätter, Isländisch Moos sowie Eibischblätter und -wurzeln verwendet. Sie legen sich wie
ein schützender Film über die wunde Rachenschleimhaut. Produkte mit ätherischen Ölen aus Eukalyptusblättern, Fichtennadeln oder - spitzen, Kiefernnadeln oder - sprossen, Thymiankraut, Anis - und Fenchelfrüchten, Minze oder Pfefferminze wirken hingegen schleimlösend und
teilweise auch abschwellend und antibakteriell. Eine ähnliche Wirkung hat auch die Kamille, die bei der Dampfinhalation heilsam ist und zusätzlich entzündungshemmend wirkt.
Wichtiger Hinweis: Bei Säuglingen und Kleinkindern können ätherische Öle in Einzelfällen gefährliche Atemstörungen verursachen - zum Teil bis Atemstillstand. Daher sollte man bei Kleinkindern diese Heilmittel nur in Absprache mit dem Arzt anwenden und keinesfalls direkt im Nasen- und Mundbereich auftragen.
Quelle:
Kurverwaltung Bad Wörishofen

