Ärzte, Krankenhäuser und medizinischpharmazeutische Forschung leisten großartige Arbeit, wenn es darum geht, spezifische akute und lebensbedrohliche Erkrankungen bis hinein in ihre molekularen Ursachen zu verfolgen und erfolgreich zu bekämpfen.
Andererseits gerät der Schulmedizin durch ihre hohe Spezialisierung in der Behandlung chronischer Erkrankungen zuweilen der Mensch als Ganzes aus dem Blick. Genau hier kann die Klassische Naturheilkunde ihre ganze Kompetenz und Erfahrung einbringen. Denn sie betrachtet den menschlichen Organismus als komplexes System von Wechselwirkungen, das sich nicht auf einfache Ursache-Wirkungs-Muster reduzieren lässt.
Mit dieser ganzheitlichen Sicht, die den Menschen und seine Gesundheit in möglichst vielen Dimensionen erfasst, unterliegt die Naturheilkunde zuweilen zwar dem Risiko subjektiver Beobachtungen, die rational nicht immer ganz zu begründen sind, doch wer Menschen auch jenseits ihrer Krankheiten als vielschichtige und widersprüchliche Einheiten begreift, weiß, dass man manchmal auf vollständig überprüfbare Antworten verzichten und stattdessen auf Erfahrung und Intuition setzen muss. Abgesehen von einigen dogmatischen Vertretern einer ‘absoluten Wahrheit’, stellt sich die Frage nach ‘dem richtigen Weg’ zwischen Schulmedizin und Naturheilverfahren heute ohnehin nicht mehr. Beide haben vielmehr gelernt, die Vorteile des anderen Weges anzuerkennen und haben schon seit längerem eine Vielzahl von Berührungspunkten entdeckt. Entsprechend integrieren immer mehr Ärzte naturheilkundliche Verfahren insbesondere bei der Behandlung von chronischen Krankheiten in ihre Therapiepläne und bieten ihren Patienten entsprechende Angebote zur Gesundheitsvorsorge. Und wohl jeder seriöse Naturheilkundler würde bei bedrohlichen und akuten Beschwerden umgehend auf Diagnosen und Therapien der klinischen
Medizin drängen.
Optimalerweise ergänzen sich Schulmedizin und Naturheilkunde daher im Dienste Kranker und Gesunder.
Akzeptanz bei Ärzten
Schätzungen zufolge wenden 70 bis 80 Prozent der praktizierenden Ärzte in Deutschland zumindest
gelegentlich Naturheilverfahren an. Rund ein Drittel der Ärzte gibt an, Naturheilmittel häufig zu
verordnen. Lediglich acht Prozent der Ärzte lehnen Naturheilverfahren ab. Rund 28.000 Ärzte sind in ärztlichen Fachgesellschaften für Akupunktur organisiert, 14.000 in Naturheilverfahren, 8.000 in Chirotherapie, 6.000 in Homöopathie und mehr als 5.000 in sonstigen Verfahren. Mittlerweile sind die Klassischen Naturheilverfahren der traditionellen europäischen Medizin auch Wahlpflichtfach im Medizinstudium.
Quelle:
Kurverwaltung Bad Wörishofen

